Elternarbeit – Teil 1: Der KlassenChat
Shownotes
Elternarbeit – Teil 1: Der Klassenchat Mit Markus Sänger, Sprecher der Schulelternbeiräte Mainz
Über diese Folge: WhatsApp-Klassenchats – fast jeder kennt sie, viele verfluchen sie. In dieser Folge spreche ich mit Markus Sänger über die Herausforderungen der Elternkommunikation und darüber, wie sie besser gelingen kann.
Themen dieser Folge: 📱 WhatsApp-Klassenchats als Kompensation Warum entstehen Elternchats und welche Kommunikationslücken füllen sie? 🧠 Social-Media-Awareness für Eltern Warum digitale Kommunikation gelernt werden muss – auch von Erwachsenen ⏱️ Die 10-Sekunden-Regel Markus' persönlicher Lifehack: Vor dem Absenden rückwärts von 10 zählen 📧 Chat vs. Direktkontakt Wann sollte man zur E-Mail oder zum Telefon greifen statt in die Gruppe zu schreiben? ⚖️ Regeln oder Vereinbarungen? Wie können Elterngruppen respektvolle Kommunikation sicherstellen? 🏫 Der erste Elternabend als Schlüsselmoment Warum Schulen das Thema Kommunikation früh adressieren sollten 🤝 Die drei Bildungspartner Schule, Eltern, Schüler – wie funktioniert partnerschaftliche Zusammenarbeit?
Über den Gast: Markus Sänger ist Vorsitzender der ARGE Mainz (Arbeitsgemeinschaft der Schulelternbeiräte der weiterführenden Schulen in Mainz und Umgebung) und Sprecher der Schulelternbeiräte Mainz. Seit Jahren setzt er sich für bessere Elternbeteiligung, mehr pädagogisches Personal an Schulen und echte Mitbestimmung im Bildungssystem ein.
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00:00:09: Stellt euch vor, ihr kommt morgens in die Schule.
00:00:12: Wollt gerade die Klassenzimmertür aufschließen und das stürmen schon drei Eltern auf euch zu?
00:00:16: Haben sie das gelesen?
00:00:18: Der WhatsApp-Verlauf wird euch unter die Nase gehalten!
00:00:21: Die Eltern haben diskutiert, gestrittenen sich am Pörd über ein Vorfall auf dem Schulhof von dem ihr gar nichts wisst.
00:00:28: oder ihr seid Eltern – euer Handy hat den ganzen Abend nicht aufgehört zu klingeln.
00:00:36: Oder euer Kind kommt nach Hause, weint und erzählt von einem Vorfall auf dem Schulhof.
00:00:40: Und ihr greift empört sofort zum Handy!
00:00:43: Ein Vorfall – und plötzlich hat jeder eine Meinung.
00:00:47: Social Media war als Brücke gedacht… aber manchmal wird daraus eine Kampf-Arena … und die Schule steht mitten drin.
00:00:55: Hallo und herzlich willkommen bei Die Macht der Schule, den Podcast für Bildungsgerechtigkeit und Demokratie.
00:01:01: Mein Name ist Rosetta und ich freue mich, dass Ihr heute wieder dabei seid.
00:01:08: Heute geht es um ein Thema, das viele aus dem Schulalltag kennen.
00:01:13: Die Kommunikation in WhatsApp-Gruppen und sozialen Medien innerhalb einer Klasse – Elternjets, Klassenjets!
00:01:21: Aber die Frage ist wie gelingt gute Kommunikations eigentlich?
00:01:24: Und warum eskalieren Sie so
00:01:26: oft?!
00:01:27: Mein Gast ist heute Markus Sänger.
00:01:30: Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schulleutenbeiräte in Mainz und Umgebung und gibt uns einen Blick in genau diese Fragen.
00:01:38: Herzlich willkommen!
00:01:39: Ich freue mich sehr, dass Sie heute hier sind.
00:01:41: Ja hallo ich freu mich auch total.
00:01:43: Herr Sänger sie sind bei der ARGE der Arbeitsgemeinschaft der Schuleltern-Beiräte in Mainz.
00:01:48: Wie kamen Sie eigentlich zur Elternarbeit?
00:01:51: Was war Ihre Motivation?
00:01:53: Das ist ganz interessant.
00:01:54: es ging eigentlich los in der Grundschule.
00:01:56: da habe ich einen Förderverein gehabt für eine betreuende Grundschulle und die Interaktion war eigentlich total gut und alles war super schön.
00:02:08: aber nach und nach habe ich gemerkt irgendwie so mit Bildungsgerechtigkeit.
00:02:14: Und da sind Herausforderungen, also die sind mir gar nicht negativ in der Grundschule aufgefallen, gar nicht.
00:02:20: aber ich hab die ganze Zeit überlegt irgendwas musst du doch machen was hast denn?
00:02:26: Was hast du denn eigentlich für Einflussmöglichkeiten und bin dann voll engagiert In der weiterführenden Schule direkt in den Schulattempirat reingegangen direkt gedacht, hm?
00:02:41: Komm!
00:02:42: Lass uns mal was rocken.
00:02:43: Ja jetzt bin ich im Schuleltern-Beirat Jetzt kriegen wir mal richtig etwas auf die Kette Genau.
00:02:50: und dann habe ich gemerkt Naja So einfach ist es denn auch nicht.
00:02:58: Wir haben zwar als Schulelter in Beirat Beteiligungsformate aber halt nur Beteilligungsfamate.
00:03:04: Man kann nicht wirklich sagen Nee das finde ich jetzt echt ziemlich blöde oder das finde ich total toll, lass uns das irgendwie wirklich richtig umsetzen.
00:03:16: Man muss immer viele Kompromisse schließen und viele Menschen davon überzeugen dass die Idee gut ist.
00:03:23: aber was mir tatsächlich aufgefallen es ist wenn man so in den Schulelternbeirat gewählt wird.
00:03:28: Gut wir haben jetzt bei mir im Gymnasium in dem Ich-Schuleltern Beirat bin eine relativ rege Elternbeteiligung.
00:03:39: Man neigt als Elternteil immer dazu so ein bisschen auch seine Position selber und die Position seiner Kinder mit zu vertreten.
00:03:47: Ich bemühe mich, dass ich das nicht mache.
00:03:50: Meine Kinder sagen immer Papa du bist doch im Schulelternbeirat jetzt tu mal was für mich und dann sag' ich Nee, du, das ist nicht mein Job!
00:03:57: Ähm...ich bin im Schullelternbeierat damit ich das schul-, die Schulgesellschaft Das Schulklima in einen Weg bringe wo alle Menschen gut miteinander leben können.
00:04:08: Und das zu verkaufen ist manchmal ein bisschen schwierig.
00:04:11: Aber ich glaube, es gelingt mir zumindest ganz gut und Netzwerke sind da natürlich immer sehr hilfreich.
00:04:19: So war meine erste Zeit dann im Schulelternbeirat.
00:04:22: nach einem halben Jahr bin ich als Vertreter der Sprecherin für mich eigentlich ganz ungeplant in die Sprecherolle gefallen weil doch durch Zufall eine Tochter hatte die Abitur geschrieben hat, was ja völlig unvorhersehbar für mich gewesen ist.
00:04:38: Deshalb auch so ein paar Überraschungen, die einem dann kommen.
00:04:42: Genau!
00:04:42: Dann habe ich den Vorsitz von dem Schuleltern-Barrat übernommen und da war es tatsächlich ganz angenehm wenn man mit der Schulleitung tatsächlich auch so eine persönliche Ebene findet und vor allen Dingen einer vertrauensvolle Ebene findet.
00:04:56: Viele Menschen denken immer der SEB sich dann ein mischt oder sowas.
00:05:01: Oh, jetzt gibt es irgendwie Aga oder sonst irgendwas?
00:05:04: Oder es gibt böse Presse oder sonst in dieser Richtung etwas und da muss man oftmals sehr viel Vertrauen aufbauen Und dann funktioniert's eigentlich auch relativ gut.
00:05:17: Man hat halt kein Durchsetzungsanspruch.
00:05:19: Wenn wir das Schulgesetz angucken Dann haben wir meistens eine Benehmensphase Das heißt auf gut Deutsch auf das, was der Schulelternbeirat an Meinung postuliert.
00:05:32: Aber das heißt noch lange nicht dass diese Meinung in irgendeiner Form in den Prozess eingebunden werden muss und das ist halt ein bisschen schade.
00:05:39: Ich denke, dass davon beiden Seiten auf Landesebene vielleicht auch ein bisschen mehr Kompromiss- und Kooperation mit den drei Bildungspartnern Das sind ja einmal die Schule Die Eltern Und die Schüler als diese drei großen Säulen, die partnerschaftlich für den Bildungserfolg unserer jungen Gesellschaft verantwortlich sind.
00:06:17: Sprechen wir nun über Ihre Tätigkeit bei der Aage?
00:06:20: Ja!
00:06:20: Ich habe recherchiert und festgestellt, dass Sie seit Jahrzehnten schon siebzehn Demonstrationen organisiert haben.
00:06:28: Was waren denn da Ihre Hauptforderungen?
00:06:31: Also unsere Hauptforderung haben sich im Laufe der Zeit ein bisschen... verändert.
00:06:39: Gestartet sind wir mit Aufmerksamkeit machen, dass wir ein Defizit bekommen was fachlichen Unterricht im naturwissenschaftlichen Kontext betrifft also MINT das wir einfach dort einen Defizite hatten.
00:06:54: Wir sind mit MINT gestartet und finden uns jetzt auch schon in den Sprachen in den künstlerischen Fächern.
00:07:01: Das wird dort einfach an Defiziten sehen weil die Klassengrößen Zu groß sind, um sie mit einem Lehrer innerlich zu differenzieren.
00:07:12: Das kann man einfach nicht innerhalb von forty- oder neunzig Minuten schaffen.
00:07:17: eine heterogene Gruppe von dreißig SchülerInnen entsprechend in drin sich zu Differenzieren Die kriegen Sie einfach mit dem Personalschlüssel eins zu treißig Nicht entsprechend versorgt.
00:07:32: Jetzt kommen natürlich viele Menschen und sagen okay Ja, das fängt ja schon in der Grundschule an.
00:07:39: Das fängt in die Grundschulen an?
00:07:41: Dann gar keine Frage!
00:07:42: Da wird die Basis gesetzt für das Miteinander und für das Lernen zu lernen – also nicht Lernenlernen in dem Sinne ich setze mich dahin und lerne Vokabeln sondern um die eigenen Möglichkeiten herauszufinden wie man sich weiterentwickelt.
00:08:02: Genau damit haben wir angefangen mit Mint und haben uns dann immer weiter darauf fokussiert, dass wir zu wenig pädagogische Fachkräfte in den Schulen haben.
00:08:17: Wir haben zu wenig Schulsozialarbeiterinnen in Rheinland-Pfalz.
00:08:22: Wissenschaftliche Belegungen die sagen für Schulsozialarbeit brauchen wir einen Schlüssel von eins zu einhundertfünfzig SchülerInnen damit wir adäquats sozial den Menschen helfen können und vor allen Dingen das Mitbestimmungsrecht von Schülerinnen.
00:08:46: Ganz klar zu fordern und zu sagen, hey wenn wir Beziehungen aufbauen müssen und das müssen wir weil Lernen geht nicht ohne Beziehung.
00:08:57: Selbst meine Oma hatte eine gewisse Beziehion zu sein ihrem Lehrer, auch wenn die vielleicht nicht immer ganz spannungsfreie gewesen ist.
00:09:06: Aber es gab eine Beziehung und es gab einer Beziehungen, die ein Lernen ermöglicht hat.
00:09:12: Und wenn wir das jetzt in den aktuellen Kontext sehen, ist die Gruppe nur scheinbar homogener als wir eine allgemeinbildende Schule zu den Zeiten meiner Oma gesehen haben.
00:09:40: Herr Sänger kommen wir zu einem Thema, dass im Schulalltag immer wieder für Konflikte sorgt, die Kommunikation.
00:09:46: Es gibt auch kaum noch eine Klasse ohne Eltern oder Klassenchats – also Gruppen in denen Schülerinnen und Schüler aber auch Eltern miteinander kommunizieren meist über WhatsApp.
00:09:56: Und da erleben wir ja auch das Situationen eskalieren können.
00:10:01: Kommen Eltern eigentlich zu ihnen mit solchen Erfahrungen und sagen «Wir brauchen irgendwie eine andere Form der Kommunikations».
00:10:10: Anders geht's nicht mehr!
00:10:12: Nein, es kommen nicht die Eltern hin und sagen wir brauchen eine andere Kommunikation als ein WhatsApp Chat.
00:10:17: Das kommt nicht!
00:10:20: Das ist wenn dann innerhalb eines Gesprächs dass wir gucken wo das Problem vielleicht liegt.
00:10:32: Aber einzelne Klassenchats die kommen nicht auf die Ebene von der Mainzer Schuleltern-Vertretung für weiterführende Schulen, das nicht.
00:10:44: Aber ich nehme das ähnlich wahr wie Sie – Ich würde aber ergänzen – wollen dass diese WhatsApp-Chats eher eine Kompensation vollziehen nämlich die Kompination von Fehlenden der Kommunikation Wenn man sich one on One oder auch in einer Gruppe von zwanzig Menschen im Raum bewegen würde, würde man viele Dinge, die so in ein WhatsApp Chat reinkommen vielleicht gar nicht so formulieren einfach weil man merkt dass ein mensch gegenüber steht.
00:11:15: aber das ist ja eine form der kommunikation die wir lernen müssen.
00:11:21: ich glaube wir können die zeit nicht zurückdrehen indem wir sagen okay lass uns analog treffen und lasst uns anrufen sondern wir müssen damit arbeiten.
00:11:31: wir müssen uns selbst in awareness auch den eltern gegenüber ein awareness aufbauen.
00:11:37: oder finde ich es ganz interessant wenn auch von der schulischen Seite her im ersten Elternabend, dieses Thema ganz klar adressiert wird.
00:11:48: Also nicht das Thema hey wollt ihr einen Klassenchat haben oder nicht?
00:11:52: Dann schreibt mal bitte eure Telefonnummer hier auf die Liste ich füge euch dann alle in die WhatsApp-Gruppe hinzu sondern auch Die Einladung an die Eltern explizit rausgeht sich Mal mit dem Thema Social Media zu beschäftigen.
00:12:11: Denn viele denken Social Media, hey das ist Insta.
00:12:13: Das ist Twitter und das ist Facebook für die etwas älteren.
00:12:19: Nein, Social Media fängt schon im Chat auf dem Handy an!
00:12:25: Und die Verhaltensweisen und die Dinge, die kommuniziert werden... ...die sind halt einfach auf einem etwas anderen Level zumal sie ja auch zum Beispiel wenn sie etwas missgelungen ist, einfach mit nem Screenshot dokumentiert und verteilt werden kann.
00:12:42: Und gesagt werden kann, guck mal hier was hat denn der Markus da wieder erzählt?
00:12:45: Es wäre ja auch wichtig Regeln noch zu setzen oder ich habe das selbst erlebt.
00:12:50: wenn ein Kind wegen Verhaltensauffälligkeiten abgeholt werden muss und die Eltern dann kamen hab ich sie direkt zu einem Gespräch am nächsten Tag eingeladen.
00:12:58: Mir war wichtig, dass das Kind gemeinsam mit den Eltern Zeit hat die Situation zu reflektieren und dass wir nicht in einer emotional aufgeladenen Situation sprechen.
00:13:07: Und das hat erstaunlicherweise gut funktioniert!
00:13:09: Die Eltern haben gemerkt es geht uns nicht um Strafe sondern darum gemeinsam zu klären was passiert ist und wie es weitergeht.
00:13:17: Diese vierundzwanzig Stunden dazwischen waren entscheidend und genau das fehlt in diesen Chatgruppen einfach.
00:13:23: Das Kind kommt nach Hause, erzählt etwas und sofort wird geschrieben diese Pause die man für einen guten Dialog braucht gibt es da einfach nicht.
00:13:33: dabei kennen wir das alle.
00:13:34: Man schläft eine Nacht rüber und am nächsten Tag sieht man alles ganz anders.
00:13:39: Deshalb glaube ich dass wir hier klare Regeln brauchen.
00:13:43: Ich glaub nur so kann man lernen anders miteinander zu kommunizieren.
00:13:47: ja Ich verstehe den Punkt, den Sie gemacht haben.
00:13:51: Ich würde den Zugang ein bisschen anders wählen wollen gerne.
00:13:56: Also ich hatte es eben ja nochmal angesprochen gehabt, dass der erste Elternabend in einer weiterführenden Schule ist meistens mit allen Eltern besetzt.
00:14:07: Beim zweiten kommen nur noch zwei Drittel und wenn sie im fünften Elternabends sind, haben sie nachher nur noch zehn Menschen da sitzen.
00:14:17: Das heißt, ich denke man muss gerade weil Kommunikation so wichtig ist den ersten Elternabend nutzen.
00:14:25: Da erreichen wir noch die Menschen alle oder nahezu alle und Ich würde weniger mit Reglements gerne arbeiten.
00:14:34: Ich würde die menschen Einladen an einem Training vonseiten der Schule angeboten das was wir auch mit unseren vielleicht auch in der einen oder anderen Schule schon mit den fünf Glästern machen.
00:14:51: Wie verhalte ich mich?
00:14:53: Bei Social Media, welche Konsequenzen habe ich bei social media?
00:14:57: und unter anderem vielleicht auch zu formulieren dass das was mein Kind In dem WhatsApp Chat schreibt so lange es noch nicht achtzehn erst tatsächlich auf mich persönlich wenn es beleidigend ist rechtlich zurückfallen kann.
00:15:15: Und ein Teil Und das ist mein Lifehack für Social Media.
00:15:23: Bevor du auf Senden drückst, zähle rückwärts von
00:15:27: zehn.".
00:15:28: Das wäre doch ein ganz guter Ansatz!
00:15:29: Solche Beispiele gleich am ersten Elternabend anzusprechen?
00:15:32: Ich bin mir ja sicher viele Eltern kennen diese Situation schon aus der Grundschule aber vielleicht hat es noch nie jemand so deutlich formuliert.
00:15:39: Denn das Problem ist was einmal geschrieben ist bleibt stehen auch wenn man es später löscht.
00:15:45: die anderen Armen ist längst gelesen...
00:15:47: Ja also Wie gesagt, ich würde das weniger als regel sondern als Kommunikationsvorschlag machen.
00:15:57: Und man kann das ja auch gerne in Signal oben in die Elterngruppe reinschreiben.
00:16:03: bitte bevor du auf senden drückst zählerückwärts von zehn.
00:16:08: Ich muss ehrlich sagen Das wäre mir zu soft.
00:16:11: Es muss klar sein, wir gehen respektvoll miteinander um!
00:16:14: Wir beleidigen uns nicht, wir kommunizieren auf Augenhöhe und das sollte man so auch benennen als klare Regeln.
00:16:22: Das klingt vielleicht hart aber ich glaube dass ist am Ende hilfreicher als nur Empfehlungen.
00:16:28: Nee, das klingt gar nicht hart.
00:16:30: Das ist vollkommen nachvollziehbar.
00:16:32: Der Spannungsheld in dem wir jetzt allerdings arbeiten ist ja dass wir nicht mehr nur in der Schule arbeiten Sondern wo werden die Nachrichten geschrieben?
00:16:41: Die Nachrichten werden abends am Abendbrotisch geschrieben zwischen der Käsescheibe und der Wurstscheibe oder dem veganen Aufstrich.
00:16:50: Da wird die Nachricht geschrieben, wird auf Senden gedrückt dann ist sie im Universum vorhanden.
00:17:07: Ich finde diese Regelungen in den Schulen wichtig und da müssen es auch Regeln sein ganz klar weil Menschen auch in einem gewissen Maß ein geregeltes Umfeld brauchen.
00:17:19: Nur mit jeder macht das was er will, wann er will und wo er will.
00:17:24: Das funktioniert nicht.
00:17:25: Man muss auf das Individuum eingehen ja auf alle Fälle aber man muss Rails haben in dem Spektrum indem es geht.
00:17:33: Das ist ja unsere Gesellschaft genauso.
00:17:36: wir haben Regeln unserer Gesetze in denen wir uns konform verhalten müssen und wenn wir das nicht machen dann kriegen wir Repressionen.
00:17:48: Gut so, weil diese Regeln uns ja einen Spektrum eröffnen indem wir uns verhalten können.
00:17:55: Ich glaube aber dass dieses Wort regeln oder Einschränkungen in dem Kommunikationskanälen der Eltern sehr schwierig ist umzusetzen und ich glaube auch das man Menschen motivieren muss zu sagen Ey jetzt hier im Chat ist meine Wohlfühlphase überschritten worden.
00:18:21: Ich erinnere noch mal gerne an unsere Vereinbarung, dass wir nicht beleidigend sind und das wir bevor wir in der Nachricht absenden zehn Sekunden
00:18:33: warten.".
00:18:34: Es gäbe ja auch die Möglichkeit E-Mails zu schreiben also nicht gleich eine ganze Gruppe!
00:18:40: Wenn ein Kind nach Hause kommt und sagt hey sagen wir mal Peter hat mich getreten würde man es wirklich dann in eine Chatgruppe schreiben?
00:18:48: Oder wäre es da nicht sinnvoll, direkt die Betroffene Person beziehungsweise die Eltern anzuschreiben oder ganz einfach zum Telefon zu greifen?
00:18:56: Was meinen Sie?
00:18:58: Also wenn sie mich persönlich fragen, wäre mein Weg immer mal zum Telefonsugreifen.
00:19:06: Wenn sie meinen Erfahrungshorizont befragen dann kann das durchaus schonmal sein dass die eine oder andere Nachricht in solchen Klassen Chats auftaucht hat.
00:19:17: dem Motto der Klaus hat dem Peter ein neues Design auf der Jacke verschafft mit einem Adding, den er irgendwo gefunden hat.
00:19:31: Das ist glaube ich so, dass das nicht zu verhindern ist.
00:19:37: aber mich persönlich würde vorschlagen, dass solche Kommunikationen auf der one-on-one oder gerne auch im Sechs Augengespräch mit einer moderierenden Person kommuniziert werden sollten.
00:20:01: Wenn nur ein einzelnes Kind betroffen ist, kann doch nicht die ganze Klasse informiert werden.
00:20:07: Denn hinter der Klasse stecken ja auch die Eltern also die Familie.
00:20:12: damit wird dieses Kind ganz schnell diskreditiert zumal man meist nur die eigene Perspektive kennt.
00:20:20: Die Folge sind tatsächlich ziemlich heftige Konflikte zwischen den Eltern, das habe ich schon erlebt.
00:20:25: Die eine Seite sempört weil ihr Kind etwas erzählt hat die andere weil ihr kind eine ganz andere Geschichte geschildert hat.
00:20:33: so entsteht wirklich ganz schnell Verfeindungen.
00:20:37: gleichzeitig möchte man ja auch eigentlich die Gemeinschaft aufbauen Eltern abende so gestalten oder gemeinsam Zeit miteinander verbringen und Das gelingt nicht, wenn solche Konflikte vorher in diesen Chatgruppen eskalieren.
00:20:52: Das ist wie Benzin ins Feuer!
00:20:54: Ja also das ist von Herausforderungen gespickt so eine Elterngruppe genauso wie so einer Klassenchatgruppe sehr von Herausforderung gespickt ist und für die Lehrerinnen ist es natürlich dann immer schwierig dann zu interagieren wenn diese Herausforderungen in das tatsächliche Schulleben reinschwappen und das tun sie, immer nennt.
00:21:20: Und auch so dass man sie nur sehr schwer moderieren kann – auch als pädagogische Fachkraft – sehr schwer modellieren kann weil einfach historisch schon ganz viel, ich nenn es immer Porzellan zerschlagen worden ist und Emotionen geprimed worden sind die einfach in den Menschen in den Partnern und in den Beteiligten Menschen, nämlich dem Freundeskreis.
00:21:47: Weil niemand ist ja ohne Position dann im Klassenchat ganz schwer zu bearbeiten.
00:21:53: Und wie könnte man das aus Ihrer Sicht besser lösen?
00:21:58: Ich würde den Eltern oder den Schülern eine Kommunikationsplattform gerne anbieten.
00:22:06: Und zwar eine Kommunicationsplattform die außerhalb von WhatsApp Signal Threema und wie sie alle heißen läuft.
00:22:18: Teilweise haben die Schulen diese Kommunikationsformen schon Messenger-Formen innerhalb der Schule, warum?
00:22:36: Weil Sie dann nicht den Weg in das Private nehmen sondern Sie nehmen aktiv mit einem Tool der Schule an der Kommunikation statt.
00:22:49: Und dann kann ich auch wieder sagen Okay, ich habe den Weg nicht ins Private genommen.
00:22:54: Jetzt kann ich hier auch ganz klar sagen Das sind unsere Rails das sind unsere Bereiche in denen wir arbeiten.
00:23:02: Wir möchten keine Beleidigungen da drin haben Wir möchten Keine Komischen Bilder darin haben.
00:23:10: Ich meine über das Thema haben wir noch gar nicht gesprochen.
00:23:12: anatomisches Material in WhatsApp Gruppen Das finde ich ist ein ganz sinnvoller Ansatz der allerdings Dadurch beschränkt es, dass in vielen Schulen die EDV-Infrastruktur von Lehrkräften betreut wird.
00:23:28: Und das ist was eigentlich nicht geht!
00:23:31: Ich meine jeder kennt es der Physik und Mathelehrer an der weiterführenden Schule, der dadurch, dass er Physik & Mathe studiert hat auch noch die Ehren nach erfülle Aufgabe der Administration des Servafarm bekommen hat weil wir Germanisten und Künstler ja dazu überhaupt nicht in der Lage sind.
00:23:49: Aber mal ganz im Ernst, auch der ist nicht dazu in der Lage das zu machen.
00:23:53: Und da brauchen wir einfach... Das habe ich mit der ARGSEB und auch im Land des Schuleltern Beirat kommuniziert.
00:24:01: ein EDV-Hausmeister an der Schule.
00:24:13: Das würde viele dieser Kommunikationswege tatsächlich ersetzen und letztendlich auch die Lehrkräfte entlasten auf jeden Fall.
00:24:19: Ich frage mich trotzdem, warum man Kommunikation nicht stärker auf E-Mail beschränken sollte?
00:24:25: Das wäre zwar nicht ganz so schnell wie in eine WhatsApp Gruppe zu schreiben, würde aber tatsächlich helfen Eskalation zu vermeiden.
00:24:33: Ja das frage ich mich manchmal auch Und dann merke ich dann wieder dass es vielleicht doch einfacher für mich ist wenn ich eine größere Menge an Menschen erreichen möchte, dass ich denen einfach eine Nachricht schicke.
00:24:51: Anstelle das sich die alt bewährte Telefonkette in Anspruch nehme wo jeder dann zwei Menschen anruft.
00:25:00: Ich glaube es ist ein sehr schnelles und in good intent auch gutes Kommunikationsmittel Wenn man Menschen schnell erreichen möchte.
00:25:12: allerdings Halt auch die Gefahr, dass es sehr niederschwellig ist und das man einfach mal schnell emotionale Botschaften dort drin verschickt.
00:25:21: Aber das kennen wir alle!
00:25:23: Es ist ja nicht nur WhatsApp, es ist jeder Messenger der da irgendwie drinnen ist.
00:25:31: Der hat dann die gleiche Problemstellung.
00:25:34: Ja, es hat auch den Vorteil, dass sie tatsächlich mit allen Menschen erreichen weil gegen E-Mail spricht ihr nichts.
00:25:41: Aber ich kenne in meinem Kreis zum Beispiel ganz viele Menschen, die sagen nein.
00:25:45: WhatsApp kommt mir aus Datenschutzgründen nicht auf mein Telefon.
00:25:53: Die sind natürlich bei WhatsApp dann gleich draußen und es gibt sicherlich auch Menschen... ...die eine ganze lange Zeit einfach gesagt haben Nein!
00:26:03: Wenn du was von mir willst, dann ruf mich halt an Und wenn du mich nicht anrufst oder mir keine E-Mail schreibst dann willst du nichts von mir.
00:26:11: Könnte
00:26:11: man das nicht strukturiert erlösen?
00:26:13: Ich meine, wenn man zum Beispiel die Kommunikation einfach bündelt, zb über die Klassenelternsprecherin oder den Klassenölternsprechern, die das dann einfach weiterleiten, wäre das nicht auch ein Weg?
00:26:26: Ja natürlich kann sie das machen aber ich finde Sie haben dabei einen Single Point of Failure.
00:26:31: also wenn wenn ich mich jetzt einfach mal nachrichten, die ich als SEB kommuniziere an meine KESS-Klassenelternsprecher.
00:26:40: Dann muss ich leider davon ausgehen, dass mindestens vierzig Prozent der Nachrichten die ich an die KESS geschrieben habe nicht bei den Eltern ankommen – aus unterschiedlichsten Gründen!
00:26:52: Ja, ich kenne das von Briefen, die wir in Eltern geschrieben haben, die wochenlang im Ganzen des Kindes lagen und die Eltern dann im Elterngespräch sagten Wir wissen davon überhaupt nichts.
00:27:02: Wir haben nie was
00:27:03: bekommen.".
00:27:04: Dann gehen sie nach Hause, schauen mal in den Ranzen des Kindes und stellen fest, oh da liegt er ja!
00:27:10: Genau das ist bei dem Kind.
00:27:12: vielleicht Düsseligkeit unter Umständen, vielleicht aber auch absichtliche Düsseligkeit, je nachdem was ihr in dem Brief drinne gestanden hat.
00:27:21: Aber diese Filterfunktion die Klassenelternsprecher gerne wahrnehmen Dies ist ein bisschen schwieriger.
00:27:29: Ich könnte mir eher sowas vorstellen, dass es einen E-Mail-Verteiler für jede Klasse gibt vonseiten der Schule in denen die Eltern-Email-Adressen vonseitenderschule eingetragen werden und er quasi als Multiplikator dient.
00:27:47: also wenn ich jetzt als Schulelternsprecher sage ich möchte die Klassenstufe Acht anschreiben mit einer besonderen Nachricht weil das Praktikum, was in der achten Klasse jetzt ansteht.
00:27:59: Weil ich da irgendwelche Nachrichten kommunizieren möchte dann wäre es ganz gut wenn wir dezidiert einen dezidierten Verteiler für jede Klasse haben.
00:28:10: Dann schreibe ich oben in meine E-Mail Adresse rein An die E-mailadressen der Klassen Acht A B C D E F G Schreib' meine E mail und bin sicher dass alle Menschen, die ich erreichen wollte erreicht worden sind.
00:28:29: Das entlastet die Klassenelternsprecher, einmal davon einen eigenen E-Mailverteiler aufzusetzen.
00:28:37: Der vielleicht auch datenschutzkonform unter Umständen vielleicht ein bisschen schwieriger zu händeln ist als wenn diese E-mailadressen die Schule gar nicht verlassen und der SEB als Teil der Schule ja selbst die E- Mail Adressen gar nicht kennt sondern einfach nur an einem Verteiler rüber schickt und sagt okay äh so erreiche ich euch und das gleiche gilt ja dann auch im Umkehrschluss für die ähm Eltern.
00:29:07: Und da kann man das ja so gestalten, dass man äh regelbasiert Sende-Rechte gibt, dass sich quasi als Elternteil der Klasse A nicht den Verteiler der Klass A C ansprechen kann aber sehr wohl die Klasse a ansprechen können und der Stufenleiter von äh von Seiten der Lehrer natürlich alle Klassen in seiner Stufe ansprechen kann.
00:29:34: Und die Schulleitung hat dann schlussendlich auch das Recht oder die Möglichkeit, alle zu erreichen und das würde halt sehr viel Komplexität auch Datenschutz konformmäßig
00:29:47: rausnehmen.".
00:29:48: Das was sie vorgeschlagen haben finde ich wirklich eine gute Lösung.
00:29:51: Vor allem für die offizielle Kommunikation also vom Schulelternbeirat an die Eltern oder von der Schulleitung an die Eltern Und für die Kommunikation untereinander haben die Eltern ja sowieso ihre E-Mail-Adressen oder eben diese Klassenchats.
00:30:06: Aber dann müssen ganz klare Regeln vorgegeben
00:30:09: werden.".
00:30:37: Herr Sänger, meine letzte Frage!
00:30:38: Was wünschen Sie sich noch in Bezug auf Ihre Arbeit bei der Aage?
00:30:43: Ich würde mir noch viel mehr Eltern wünscht, die aktiv ihre Sichtweise mit reinbringen.
00:30:52: Wir haben im Moment von allen weiterführenden Schulen einen Menschen aus dem Schulelternbeirat bei uns drinnen.
00:31:01: Aber für mich endet es eigentlich nicht beim Schulelter im Beirat, sondern ich würde mich einfach freuen wenn wir marginalisierte Gruppen gerne mit aufnehmen.
00:31:18: also da rede ich jetzt zum Beispiel Eltern mit queeren Hintergrund oder queeren SchülerInnen Da rede ich von Migrationshintergrund.
00:31:29: Da höre ich mir auch gerne Menschen an die Fluchtgeschichten haben, weil das einfach wichtige Punkte sind wie wir unsere Schulgesellschaft gestalten.
00:31:43: Ich selber als AGSEB bin ja im rheinland-pfälzischen Schulgesetz nirgendwo verortet.
00:31:51: Das ist übrigens auch ein großer Unterschied zu Hessen.
00:31:54: In Hessen gibt es nämlich Stadtschüler, Stadtelternvertretungen.
00:31:58: Die gibt es in Rheinland-Pfalz nicht.
00:32:00: Den Landeselternbeirat den Regionaleltern Beirat, den Schuleltern beiraten Punkt und ich würde mir wünschen dass es diese regionale Vernetzung auf Schulträgerebene viel stärker gibt weil Schule besteht ja aus verstaatlicher Seite aus dem kommunalen und aus dem landespolitischen Träger Und der kommunale Träger hat einen signifikanten Einfluss auf Schule.
00:32:32: Da gehört eigentlich eine ebenbürtige Kommunikation mit, die unabhängig davon ist welche Person jetzt gerade verantwortlich bei dem kommunalen Trägers.
00:32:54: Herr Sänger vielen Dank für Ihr Kommen und Ihre Zeit!
00:32:57: Wir haben heute in unserem Gespräch gemerkt, dass es noch so viele Themen rund um Elternbeteiligung gibt die wir hier gar nicht alle ansprechen konnten.
00:33:06: Deshalb hoffe ich Herr Sänger das ist nicht unser letztes Gespräch
00:33:10: war
00:33:10: und wie einige dieser Punkte in Zukunft nochmal vertiefen können.
00:33:16: Vielen Dank für Ihre Expertise gerade in diesen herausfordernden Zeiten!
00:33:22: Ja ich freue mich, dass ich eingeladen worden bin.
00:33:24: Lieben lieben dank Und Schule ist ein Gesellschaftsfaktor, denn wo wenn ich in der Schule können wir unsere Gesellschaft gestalten und das ist so'n bisschen die Flagge unter der Ich segle.
00:33:39: Liebe
00:33:47: Hörerinnen und Hörere, Eltern surren Wege miteinander zu kommunizieren aber oft fehlen klare Strukturen – und genau da wird es schwierig.
00:33:54: Kommunikation ist kein technisches Problem.
00:33:57: Sie entscheidet darüber ob Zusammenarbeit gelingt oder ob sie scheitert.
00:34:01: Es geht um Respekt, es geht um klare Regeln und es geht darum Verantwortung zu übernehmen.
00:34:07: In den kommenden Folgen spreche ich weiter mit Herrn Sänger und weiter über das Thema Elternbeteiligung – Über Migration, über Inklusion und über die Frage Wie gestalten wir Schule gemeinsam?
00:34:19: Wenn ihr Gedanken oder Erfahrungen dazu habt, schreibt mir gerne!
00:34:23: Ich freue mich über Rückmeldung.
00:34:24: Bis bald.
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