Schulbarometer Lehrkräfte 2026 – Unterrichtsstörungen, Demokratiebildung und KI

Shownotes

📌 Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026 Aktuelle Ergebnisse der Robert Bosch Stiftung zu Unterrichtsstörungen, Demokratiebildung und KI im Schulalltag.

🎧 Weiterführende Folgen

„Vom Fehltritt zum Fortschritt – Pädagogische Maßnahmen à la carte“ https://t1p.de/Vom-Fehltritt-zum-Fortschritt

„Lernen in Norwegen – Was Deutschland von Norwegen lernen kann“ https://t1p.de/Lernen_in_Norwegen

🎧 Vorschau Am 3. Juli 2026 erscheint die neue Folge: „Vom Ich zum Wir – Demokratiebildung vom Kind aus denken“

Darin geht es um die Frage, wie Demokratiebildung verbindlich im Schulalltag verankert werden kann – nicht als Projekttag, sondern als gelebter Bestandteil von Unterricht und Schulkultur mit einem Curriculum.

📬 Feedback zur Folge Welche Ergebnisse des Schulbarometers haben euch überrascht? Reden wir zu lange über Symptome – und zu wenig darüber, wie Schule präventiv handeln kann?

Ich freue mich auf eure Rückmeldungen.

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Mehr zum Podcast: Die Macht der Schule" ist der Podcast für Bildungsgerechtigkeit und Demokratie – mit Rosetta Scianna, ehemalige Schulleiterin und Bildungsaktivistin.

Transkript anzeigen

00:00:05: Sechsundvierzig Prozent der Lehrkräfte in Deutschland sagen, das Verhalten meiner Schülerinnen und Schüler ist meine größte berufliche Herausforderung.

00:00:13: Zwei Tausend vierundzwanzig waren es noch thirty-fünf Prozent.

00:00:17: Zweitausendfünfeinzig bereits zweiundvierzig Prozent!

00:00:21: Die Zahlen steigen Jahr für Jahr.

00:00:24: die Kinder können sich nicht konzentrieren.

00:00:26: Die Kinder motivieren sich nicht.

00:00:28: Die kinder fallen durch aggressives Verhalten auf.

00:00:31: aber Was, wenn wir seit Jahren an den falschen Stellschrauben drehen?

00:00:36: Was, denn wir Repression mit Prävention verwechseln.

00:00:41: Und was, wenn die eigentliche Krise gar nicht im Klassenzimmer beginnt sondern in einem Schulsystem das Prävention immer noch nicht ernst genug

00:00:51: nimmt?".

00:00:52: Das Deutsche Schulbarometer der Lehrkräfte twenty-sixundzwanzig der Robert Bosch Stiftung liegt nun vor und es liefert Zahlen, die uns alle aufhorschen lassen Nicht nur zur Unterrichtsstörung, sondern auch zur Demokratiebildung und zum Einsatz von künstlicher Intelligenz.

00:01:08: Was sagen uns diese Zahlen über den Zustand von Schulen?

00:01:11: Und vor allem welche Schlüsse müssen wir daraus ziehen!

00:01:17: Hallo und herzlich willkommen bei Die Macht der Schule – dem Podcast für Bildungsgerechtigkeit und Demokratie.

00:01:23: Ich bin Rosetta und ich freue mich, dass ihr wieder dabei seid.

00:01:30: Fangen wir mit den forty-six Prozent an also... den Lehrkräften, die das Verhalten der Schülerinnen und Schüler als ihre größte berufliche Herausforderung ansehen.

00:01:39: Aber an dieser Stelle lohnt sich ein genaue Blick, denn der Begriff Herausforderung ist nicht eindeutig.

00:01:45: Eine Herausforderung kann bedeuten dass etwas belastet sie kann aber auch bedeuten das man daran arbeitet und dafür viel Zeit und Energie aufbringen muss.

00:01:54: die Studie zeigt also nicht automatisch als Lehrkräfte mit Unterrichtsstörungen überfordert sind.

00:01:59: Sie zeigt aber auch sehr deutlich dass das Thema Verhalten einen immer größeren Raum im Schulalltag einnimmt.

00:02:06: Und genau deshalb lohnt es sich die Frage Was steckt eigentlich dahinter?

00:02:11: Lehrkräfte nennen vor allem drei Punkte.

00:02:13: Einmal, Schwierigkeiten sich in die Gruppe einzufügen.

00:02:17: Zweitens, die fehlende Motivation.

00:02:19: und drittens das Problem mit der Selbstorganisation.

00:02:22: Weiterhin sagt die Studie –fünfundzwanzig Prozent beobachten ein problematisches Sozialverhalten.

00:02:28: Treizehn Prozent sehen mangelnde Motivations- und fehlenden Lernwillen.

00:02:32: Sieben Prozent berichten von psychischen Belastungen bei den Kindern!

00:02:36: Jetzt könnte man sagen, na klar.

00:02:37: Die Kinder sind heute halt nun mal so.

00:02:39: oder die Eltern sind schuld oder die Gesellschaft hat sich verändert?

00:02:43: Ja das mag vielleicht sogar stimmen aber das wäre zu einfach denn hier geht es nicht um einzelne.

00:02:50: Hier geht es um ein Muster und ich erinnere mich an meine Folge vom Fehltritt zum Fortschritt.

00:02:56: dort habe ich genau darüber gesprochen.

00:02:59: Unterrichtsstörungen sind oft kein Versagen der Kinder, sondern ein Hinweis darauf das Schulen-Kinder nicht immer die Werkzeuge mitgibt, die sie brauchen.

00:03:08: Und was brauchen Kinder?

00:03:15: Resilienz!

00:03:16: Nicht als Schulfach, sondern als gelebte Praxis, Beziehungen – nicht als Nebenbeitjob, sondern auch als Grundlage von Lernen, Partizipationen und nicht als Alibi-Veranstaltung, sondern also als echte Mitgestaltung.

00:03:30: Aber was tun wir stattdessen?

00:03:32: Wir sanktionieren Wir bestrafen, wir individualisieren die Schuld.

00:03:37: Das Kind stört!

00:03:38: Das Kind ist unmotiviert – das Kind kann sich nicht konzentrieren.

00:03:43: Aber was wenn das Kind nicht nur stört sondern zeigt, was ihm fehlt?

00:03:48: Was wenn das auffällige Verhalten der Kinder eine Sprache ist?

00:03:51: Also eine Art wie sie uns etwas mitteilen, was sie nicht in Worte fassen können.

00:04:01: Die Studie sagt auch Zweiundachtzig Prozent der Lehrkräfte wollen sich in überfachlichen Kompetenzen weiterbilden, also genau in den Bereichen die Prävention ermöglichen würden.

00:04:13: Also Empathie, Kooperation, Selbstregulation, kritisches Denken.

00:04:18: Aber thirty-six Prozent sagen dass die Förderung überfachlicher Kompetenzen an ihren Schulen nicht aktiv unterstützt wird und das ist der Widerspruch!

00:04:25: Wir wissen was hilft aber wir setzen es nicht um.

00:04:28: und hier kommt den nächsten Punkt.

00:04:31: Multi professionelle Teams.

00:04:33: Die Studie betont es.

00:04:34: Lehrkräfte können nicht alles alleine stemmen, sie brauchen Schussozialarbeit, Schulpsychologie, Sonderpädagogik, psychotherapeutische Unterstützung – nicht als Notlösung!

00:04:45: Nicht erst dann wenn ein Kind bereits auffällig geworden ist sondern als Standard.

00:04:51: Denn wenn ein kind mit psychischen Belastungen im Klassenzimmer sitzt, dann hilft keine noch so kreative Strafe, jemand, der Zeit hat.

00:05:01: Jemand, der zuhört.

00:05:02: Jemann, der handelt und eine Schule die nicht erst reagiert wenn es zu spät ist.

00:05:20: Wechseln wir das Thema!

00:05:21: Achtendvierzig Prozent der Lehrkräfte wünschen sich mehr Demokratiebildung an ihrer Schule An Schulen mit einem hohen Anteil von Schülerinnen und Schülern aus armutsbelasteten Familien sind es sogar fifty-fünfzig Prozent.

00:05:35: Aber warum passiert an dieser Stelle so wenig?

00:05:38: Die Studie nennt Gründe fehlende Zeit, der Klassiker.

00:05:42: Fehlendes Fachwissen im Kollegium, fehlenden Materialien.

00:05:45: und dann kommt ein besonders wichtiger Punkt hinzu.

00:05:48: Achtzehn Prozent der Lehrkräfte fühlen sich durch ein vermeidliches Neutralitätsgebot verunsichert.

00:05:54: Siebenundzwanzig Prozent glauben sogar sie dürften ihre eigene Meinung zu politischen Fragen grundsätzlich nicht äußern!

00:06:02: Moment mal, das ist nicht nur ein Wissensproblem.

00:06:05: Das ist ein Systemproblem.

00:06:08: Denn einen Neutralitätsgebot in dem Sinne dass Lehrkräfte bei Angriffen auf Menschenwürde, Demokratie oder Grundrechte schweigen müssten gibt es nicht.

00:06:18: Natürlich müssen Lehrkräfte sachlich bleiben.

00:06:20: Natürlich dürfen sie nicht für eine Partei werben und natürlich müssen Sie unterschiedliche Positionen fair- und ausgewogen darstellen, wenn es um politische Streitfragen geht.

00:06:32: Aber sie müssen nicht neutralbleiben, wenn demokratische Grundwerte oder Menschenrechte verletzt

00:06:37: werden.".

00:06:37: Im deutschen Schulbarometer – das heißt im Jahr Demokratiebildung ist die Aufgabe jeder Lehrkraft.

00:06:47: Es ist ihre dienstliche Pflicht, sich aktiv für die Menschenwürde und die freiheitlich demokratische Grundordnung einzusetzen.

00:06:56: Lehrkräfte sind nicht dazu verpflichtet, ihrer eigene Meinung zu verschweigen oder Menschen-und verfassungsfeindliche Äußerungen als legitime Meinung anzuerkennen – das ist eine starke Äuisierung!

00:07:11: Und sie ist wichtig, denn er nimmt Lehrkräften nicht aus der Verantwortung Er gibt ihnen Rückendeckung.

00:07:18: Lehrkräfte sollen nicht parteipolitisch auftreten, aber sie müssen auf der Grundlage des Grundgesetzes Haltung zeigen – Haltung für Menschenwürde, Haltung für Demokratie, Haltungen gegen Rassismus, gegen Antisemitismus, Gegen Ausgrenzung, gegen jede Form von

00:07:34: Menschenfeindlichkeit.".

00:07:36: Und wenn Lehrkräfte dabei unsicher sind, dann liegt das nicht einfach an ihnen.

00:07:40: Dann liegt es daran, dass wir ihnen nicht genügend Klarheit geben – Nicht-genügend Fortbildung!

00:07:46: Nicht-Genügend Materialien und nicht-genugend Rückendeckung durch Schulleitung, Schulaufsicht und Ministerien.

00:07:53: Demokratiebildung wird immer noch viel zu oft als Zusatz behandelt, als Projekttag, als nette Aktion.

00:08:01: Als etwas das man macht wenn man noch Zeit hat!

00:08:04: Aber Demokratiebildung ist keine Zusatzaufgabe – sie ist Kernaufgab von Schule.

00:08:10: und genau hier kommt meine neue Podcast-Folge ins Spiel vom Ich zum Wir.

00:08:15: Demokratiebildung vom Kind ausdenken.

00:08:18: Sie erscheint am dritten Juli Und da gehe ich genau dieser Frage nach.

00:08:25: Wie können wir Demokratie so in den Lehrplan und ihnen den Schulalltag integrieren, dass sie nicht nur gelernt sondern gelebt wird?

00:08:32: Und vor allem wie schaffen wir es das Miteinander in der Klasse – Nicht nur als Umgangsform, nicht nur als Sozialverhalten, nicht Nur als Rücksichtnahme zu verstehen Sondern als demokratisches Lernen?

00:08:46: Denn oft sagen wir Das ist gutes Benehmen!

00:08:52: Rücksicht.

00:08:52: Das ist Fairness, das ist Verantwortung und alles davon stimmt!

00:08:57: Aber wir sagen viel zu selten oder gar nicht – das hier ist Demokratie.

00:09:02: Das hier hat mit Menschenwürde zu tun, mit Freiheit, mit Gleichheit, mit dem Grundgesetz.

00:09:08: Und wenn Kinder nicht verstehen was ihr Verhalten mit Demokratie zu tun habt dann werden sie Demokratie auch nicht als etwas erleben, was sie selbst betrifft.

00:09:15: Dann bleibt Demokratie etwas für Parlament, für Wahlen, für Erwachsene.

00:09:22: Und genau das müssen wir ändern.

00:10:00: Das Ergebnis ist also, KI wird genutzt – immer häufiger.

00:10:04: Immer selbstverständlicher!

00:10:06: Aber die eigentliche Frage ist unter welchen Bedingungen geschieht das?

00:10:10: Denn zu oft fehlen klare pädagogische Rahmenbedingungen.

00:10:14: Es fehlen Fortbildungen, es fehlt Infrastruktur und oft fehlt eine gemeinsame pädagogische Idee dahinter – genau das bestätigen die Zahlen!

00:10:24: Zweiundfünfzig Prozent der Lehrkräfte wünschen sich Fortbildung zu KI.

00:10:27: Warum?

00:10:28: Weil KI nicht nur ein Werkzeug ist.

00:10:30: KI ist eine Chance Eine Chance individueller zu unterrichten, eine Chance Kinder dort abzuholen wo sie stehen.

00:10:41: Eine Chance Barrieren abzubauen zum Beispiel für Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Für Kinder die sprachliche Unterstützung brauchen.

00:10:50: Aber wenn wir KI nur als Effizienztool nutzen verpassen wir die Chance Schule pädagogisch weiterzuentwickeln.

00:10:58: Denn KI kann mehr sein als ein Aufgabengenerator.

00:11:02: Sie kann unterstützen, strukturieren, erklären, übersetzen, differenzieren.

00:11:06: Sie kann Lehrkräfte entlasten wenn sie sinnvoll eingesetzt wird und sie kann Kindern helfen selbständiger zu lernen, wenn sie begleitet und reflektiert genutzt

00:11:16: wird.".

00:11:16: In meiner neuen Folge Lernen in Norwegen habe ich darüber mit Dr.

00:11:20: Dametz von der Robert-Bosch-Stiftung gesprochen wie Schulen in anderen Ländern KI nutzen um Lernen persönlicher zu gestalten, um Inklusion zu unterstützen, um Chancengerechtigkeit zu erhöhen.

00:11:31: Aber auch hier gilt, das funktioniert nicht durch Zufall.

00:11:35: Es braucht Fortbildung, klare Rahmenbedingungen, technische Infrastruktur IT-Support und eine pädagogische Idee Denn KI verändert Schule nicht automatisch.

00:11:46: Sie verändert Schule nur dann wenn wir wissen wofür wir sie einsetzen wollen Und wenn wir verhindern dass wieder nur diejenigen profitieren die ohnehin schon gut ausgestattet sind.

00:11:55: Sonst wird es einer Chance sehr schnell die nächste Ungleichheit.

00:12:05: Wir haben heute viel darüber gesprochen, was Lehrkräfte belastet.

00:12:14: Über Unterrichtsstörungen über Demokratiebildung und den Umgang mit KI.

00:12:19: Aber es gibt noch einen Befund der Studie, den ich besonders bemerkenswert finde.

00:12:23: Trinachtzig Prozent der Lehrkräften sagen, dass sie mit ihrem Beruf zufrieden sind – das ist zunächst einmal eine gute Nachricht!

00:12:30: Gleichzeitig sagt die Studie aber auch, achtundzwanzig Prozent würden den Beruf verlassen wenn sich ihnen eine attraktive Alternative bieten würde.

00:12:39: Das klingt zunächst widersprüchlich Ist es aber nicht, denn offenbar haben viele Lehrkräfte nicht die Freude an ihre Arbeit verloren.

00:12:46: Sie arbeiten gerne mit Kinder und Jugendlichen – sie unterrichten gerne!

00:12:50: Was viel belastet sind die Bedingungen unter denen sie das tun müssen?

00:13:10: Also was nehmen wir mit drei Zahlen, die uns zum Nachdenken bringen sollten?

00:13:19: Das Problem sind nicht einfach die Kinder.

00:13:26: Das Problem ist, dass wir Prävention immer noch zu oft als Luxus

00:13:31: behandeln.".

00:13:51: Zweiundfünfzig Prozent wünschen sich Fortbildungen zu KI.

00:13:55: Aber KI ist nicht nur eine technische Herausforderung, sie ist eine pädagogische Frage – eine Frage danach wie wir lernen individueller gerechter und zeitgemäßer Gestalten?

00:14:06: Die spannendste Frage dieser Studie ist für mich deshalb nicht, wie hoch sind die Zahlen sondern warum steigen die Belastungen der Lehrkräfte Jahr für Jahr obwohl wir über diese Probleme seit Jahren sprechen?

00:14:18: vielleicht weil wir zu lange über die Symptome reden und zu wenig darüber, wie wir Schule präventiv gestalten können.

00:14:25: Denn eines ist klar – wenn wir so weitermachen wie bisher werden die Zahlen im nächsten Jahr nicht plötzlich verschwinden.

00:14:32: Also was tun?

00:14:33: Wir brauchen multiprofessionelle Teams!

00:14:36: Nicht als Ausnahme sondern als selbständiger Teil von Schule.

00:14:40: Wir brauchen Demokratiebildung, die verbindlich verankert ist mit Curriculum, mit Materialien, mit Rückendeckung für alle, die sie umsetzen.

00:14:48: Und wir brauchen einen ehrlichen Umgang mit KI, nicht als Effizienztool sondern als pädagogische Chance die lernen gerechter machen kann.

00:14:58: Das sind keine neuen Forderungen!

00:14:59: Wir kennen sie alle aber es wird Zeit dass wir aufhören sie nur zu benennen und anfangen sie umzusetzen.

00:15:17: Liebe Hörerinnen und Hörern ich würde das gerne mit euch weiter denken.

00:15:21: was denkt ihr?

00:15:22: reden wir zu lange über Symptome?

00:15:24: Und zu wenig darüber wie Schule früher ansetzen könnte?

00:15:29: Schreibt mir gerne.

00:15:30: Ich freue mich auf eure Perspektive!

00:15:58: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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