Klassensprecherwahl: Gewählt - aber ohne Stimme

Shownotes

"Gewählt und alleingelassen – Was bei Klassensprecherwahlen schiefläuft" Die Klassensprecherwahl soll Demokratie lehren. Doch stattdessen wird sie oft zum Beliebtheitswettbewerb – und die gewählten Kinder bleiben mit ihren Aufgaben allein. In dieser Folge spreche ich mit Fine (12 Jahre, 6. Klasse), die selbst Klassensprecherin war – und danach nicht wieder kandidiert hat. Warum? Weil sie zwar gewählt wurde, aber niemand ihr erklärt hat, was sie eigentlich tun soll. Weil das Amt stressig war. Und weil viele in ihrer Klasse einfach ihre Freunde gewählt haben, statt zu überlegen, wer wirklich geeignet ist. Das sind die Probleme:

Kinder wissen nicht, was sie erwartet. Sie übernehmen Verantwortung, ohne Vorbereitung. Schulen haben keine klare Stellenbeschreibung für Klassensprecherinnen und Klassensprecher. Die Wahl dauert 30 Minuten – danach bleibt keine Zeit für echte Mitbestimmung im Schulalltag. Eltern werden nicht eingebunden, besonders solche mit Migrationsgeschichte, die andere politische Systeme kennen.

Aber es geht auch anders: Ich zeige in dieser Folge, wie eine echte demokratische Klassensprecherwahl aussehen kann:

Mit Wahlprogrammen und Wahlkampf (nicht nur schnelle Abstimmung) Mit klaren Aufgaben und Unterstützung (statt Überforderung) Mit Elternarbeit, um demokratische Prozesse zu erklären Mit echter Zeit im Schulalltag für Mitbestimmung

Die Klassensprecherwahl ist der erste Schritt zur Demokratiebildung – wenn wir sie ernst nehmen. Wenn nicht, lernen Kinder nicht Demokratie, sondern Ohnmacht. Mehr über dieses Thema: In der nächsten Folge geht es darum, wie ein starkes Klassensprecherteam funktioniert – denn eine Bürgermeisterin ist auch nicht allein.

Kommentare (1)

Simon

Auf jeden Fall ist die KlassensprecherInnenwahl mehr, als den Ortungsdienst in eine Klasse zu organisieren. Er könnte auch dazu beitragen. Konflikte innerhalb der Schülerschaft zu lösen. Wichtig ist auch zu erwähnen, dass alle KlassensprecherInnen einer Schule sich dann zur Schülervertretung organisieren. Diese hat dann eine gehörige Macht gegenüber den Lehrkräften und der Schulverwaltung. Ich will das an einem aktuellen Beispiel benennen: Beteiligung an den Aktionen von Fridays for Future oder gegen eine Militarisierung der Schulen durch Informationsveranstaltungen, der Bundeswehr oder Beteiligung an Friedensaktionen… Die Aktivitätsleiter von Schülervertretern geht noch weiter bis in die aktuelle Bildungspolitik im Landesschülerparlament! Die Schule wird zur Schule der Demokratie, oder?

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