Die Ganztagsschule – Von den Anfängen bis zum Rechtsanspruch 2026

Shownotes

Die Ganztagsschule ist keine neue Idee. Ihre Geschichte reicht weit zurück und ist eng mit gesellschaftlichen Veränderungen, politischen Entscheidungen und unterschiedlichen Vorstellungen von Bildung und Erziehung verbunden. Auch die Halbtagsschule war in Deutschland keineswegs schon immer selbstverständlich.

In dieser Folge von „Die Macht der Schule“ werfen wir einen Blick auf diese Entwicklung: Wie wurde die Halbtagsschule zum vorherrschenden Modell? Welche Vorstellungen von Schule und Familie haben dazu beigetragen? Und was können wir aus der Geschichte für die Gestaltung des Ganztags heute lernen?

Mein Gast ist Dr. Guido Seelmann-Eggebert, der sich seit Jahrzehnten als Pädagoge, im Ganztagsschulverband und wissenschaftlich mit der Ganztagsschule beschäftigt. Ich kenne Guido noch aus meiner Zeit als Lehrerin an der Hermann-Ehlers-Schule in Wiesbaden-Erbenheim, wo er als Stufenleiter tätig war.

Ein persönlicher Einstieg: Guidos Weg zum Ganztag

Eigentlich wollte Guido ursprünglich gar nicht Lehrer werden. Zum Auftakt sprechen wir über seinen Weg zur Schule und darüber, was ihn schließlich am Ganztag fasziniert hat. Seine persönlichen Erfahrungen bilden den Einstieg in ein Thema, das ihn durch sein Berufsleben begleitet.

Ein Blick zurück: Wie Schule ihren Tagesrhythmus bekam

Warum findet Unterricht in Deutschland traditionell vor allem am Vormittag statt? Wir gehen der Frage nach, wie sich die Halbtagsschule durchsetzen konnte und welche gesellschaftlichen Bedingungen diese Entwicklung geprägt haben.

Dabei schauen wir auch auf die Vorstellungen von Bildung und Erziehung, die hinter verschiedenen Schulmodellen stehen. Denn die Organisation des Schultags sagt viel darüber aus, welche Aufgaben Schule übernehmen soll und wie das Zusammenspiel von Schule, Familie und Gesellschaft gedacht wird.

Ganztagsschule: Wie soll der ganze Tag gestaltet werden?

Die Diskussion über Ganztagsschule führt zu grundlegenden pädagogischen Fragen: Was brauchen Kinder im Laufe eines Schultags? Wie können Lernen, gemeinsame Zeit, Erholung und unterschiedliche Angebote zusammenfinden? Und welche Möglichkeiten eröffnet ein Schultag, der über den Vormittag hinausgeht?

Der historische Blick gibt Anlass, über die Gestaltung von Schule heute nachzudenken – und darüber, welche Vorstellungen von Ganztag uns dabei leiten.

Der Rechtsanspruch 2026 als Anlass zum Weiterdenken

Mit dem Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung rückt der Ganztag erneut in den Mittelpunkt der bildungspolitischen Aufmerksamkeit. Wir nehmen diesen Anlass auf, um nach seiner Bedeutung für die Zukunft der Ganztagsschule zu fragen.

Welche Erwartungen verbinden sich mit dem Ausbau? Welche pädagogischen Fragen bleiben zu beantworten? Und was lässt sich aus der bisherigen Entwicklung für die kommenden Schritte mitnehmen?

Die Themen dieser Folge im Überblick

  • Guidos persönlicher Weg zum Lehrerberuf und zur Ganztagsschule
  • Die historischen Wurzeln der Ganztagsschule
  • Die Entwicklung der Halbtagsschule in Deutschland
  • Gesellschaftliche Veränderungen und politische Einflüsse
  • Unterschiedliche Vorstellungen von Bildung und Erziehung
  • Die Gestaltung von Schule über den ganzen Tag
  • Die Bedeutung des Rechtsanspruchs 2026
  • Fragen an die Zukunft der Ganztagsschule

Zu Gast: Dr. Guido Seelmann-Eggebert
Moderation: Rosetta Scianna
Podcast: Die Macht der Schule
Folge: Ganztagsschule – Von den Anfängen bis zum Rechtsanspruch 2026

Deine Erfahrungen interessieren mich

Wie hast du Schule erlebt – als Halbtagsschule oder als Ganztagsschule? Welche Möglichkeiten siehst du im Ganztag, und was sollte bei seiner Gestaltung stärker berücksichtigt werden?

Teile deine Gedanken zur Folge und empfehle sie Menschen, die sich für die Geschichte und Zukunft unserer Schulen interessieren.

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Transkript anzeigen

00:00:04: Also von Beginn an war Schule immer ganztägig gedacht.

00:00:08: Das ist auch aus der Tradition der Klosterschulen zu erklären, wo am Vormittag gelernt gearbeitet und gebetet wurde und dann nachmittags ebenfalls gelernt geararbeitet und gebeetet wurde.

00:00:19: Da gab es nicht diese strenge strikte Aufteilung auf Vormittel – so wie wir das heute sehen!

00:00:34: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts Die Macht der Schule.

00:00:38: Auch in dieser Folge beschäftigen wir uns wieder mit der Ganztagsschule.

00:00:42: Diesmal werfen wir einen Blick auf ihre Geschichte von den Anfängen bis zum Rechtsanspruch, im Jahr zwölfzehntausend sechsundzwanzig siebenundzwanzig.

00:00:50: Also meiner Meinung nach ist dieser Schritt erstmal ein notwendiger Schritt und zweitens ein wichtiger Schritt denn er könnte tatsächlich der Beginn des Endes des Halbtagsschulsystems in Deutschland.

00:01:15: Die Ganztagsschule ist keine Erfindung des zwanzigsten oder einundzwanzigstem Jahrhunderts.

00:01:19: Und auch die Halbtagsschule war in Deutschland keineswegs schon immer die vorherrschende Schulform.

00:01:24: Die Geschichte der Ganztagsschulle reicht weit zurück, sie isst eng mit gesellschaftlichen Veränderungen, politischen Entscheidungen und unterschiedliche Vorstellungen von Bildung und Erziehung verbunden – bis heute!

00:01:35: beschäftigt uns die Frage, wie Schule über den ganzen Tag überhaupt gestaltet werden sollte.

00:01:41: Das zeigt nicht zuletzt der neue bundesweite Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung, der seit diesem Schuljahr gilt – zunächst nur für Kinder in der ersten Klasse!

00:01:49: Doch wie kann es eigentlich dazu, dass sich in Deutschland die Halbtagsschule durchgesetzt hat?

00:01:54: Welche gesellschaftlichen und politischen Interessen spielten dabei eine Rolle?

00:01:58: Darüber spreche ich heute mit Dr.

00:02:00: Guido Seelmann Egbert, der sich seit Jahrzehnten als Pädagoge im Ganztagsschulverband und auch wissenschaftlich mit der Ganztagsschule beschäftigt hat.

00:02:09: Ich kenne Gido noch aus meiner Zeit als Lehrerin an der Hermann Ehlerschule in Wiesbaden, Erbenheim wo er damals als Stufenleiter tätig war.

00:02:16: Gido herzlich willkommen in meinem Podcast!

00:02:22: Der Ganztag zieht sich wie ein roter Faden durch dein Berufsleben aber du wolltest ja ursprünglich gar nicht Lehrer werden.

00:02:29: Wie bist Du eigentlich zur Schule gekommen?

00:02:31: Und was hatte schließlich am Ganztage so fasziniert?

00:02:36: Mein ursprüngliches Berufsziel war Betriebswirtschaft und über die Studentenbewegung.

00:02:44: in den Ende der sechziger Jahre wollte ich dann einen unterstützenden, helfenden Beruf wählen.

00:02:54: Ich dachte an Psychologie bekam aber dann keinen Studienplatz in Psychologie und habe dann gedacht, dann machst du jetzt zuerst ein Lehrerstudium.

00:03:03: Und versuchst dann anschließend nach dem Lehrerstudium noch Psychologie zu studieren.

00:03:10: Das hab ich auch gemacht und während des Lehrerstudiums wurde uns angeboten in den Schulen Unterricht zu erteilen und ich kam durch einen Zufall an die Friedrich-Ebert-Schule in Frankfurt, eine Ganztagsschule der ersten Art nach dem Zweiten Weltkrieg.

00:03:32: Ich war ganz überrascht von dem Klima das dort herrschte.

00:03:35: Das war so ganz anders wie ich das selbst als Schüler erlebt habe aber auch in Seminaren oder anderen Schulen, die mir bis dahin vertraut waren Und das hat mich dann irgendwie auch mein Leben lang vergleitet.

00:03:50: Ich wollte zwar nie Lehrer werden, wie ich am Anfang schon gesagt habe aber letztendlich auch aufgrund mangelnder Berufsaussichten in anderen Bereichen.

00:04:01: nach meinem Pädagogikstudium bin ich dann schließlich doch in den Lehrberuf reingekommen.

00:04:11: Ich war zuerst in Frankfurt und hab mich dann an die Hermann Elas Schule nach Wiesbaden versetzen lassen, weil wir dort eine Wohnung hatten und auch eine Familie gründen wollten.

00:04:24: Und die Herr Manilas Schule hatte damals sehr große Probleme des Überlebens.

00:04:30: Die Schülerzahlen gingen deutlich zurück und mir ist dann eingefallen im Rahmen unserer GEW-Schulgruppe.

00:04:42: Lasst uns diese Schule weiterentwickeln!

00:04:45: Lasst sie zu einer Ganztagsschule machen.

00:04:47: Kannst du uns noch einmal kurz beschreiben, wie sich die Hermann Ehlerschule damals entwickelt hat?

00:04:51: Der Hermann-Ehlersschule drohte Mitte der achtziger Jahre.

00:04:55: Die Schließung war immer mehr Schüler aus Nordenstadt, die Helene Lange Schule besuchten und sich dort anmeldeten.

00:05:04: Dies führte dazu dass die an der Hermann ehlers schule existierende Förderschufe nicht mehr überlebensfähig und die Stadt überlegte, ob eine Schulschließung in Frage käme.

00:05:19: Engagierte Kollegen der Schule sahen aber die Vorteile.

00:05:23: Der Hermann Ehlersschule vor allen Dingen im Standort, ich sage mal mitten auf der Wiese mit sehr viel Grün drum herum und hatten auch einen Interesse daran den Erhalt der Schule deutlich abzusichern als wir im Kollegium Mit sehr knapper Mehrheit muss man dazu sagen, den Antrag durchbekommen haben.

00:05:45: Dass die Hermann Helers Schule eine Ganztagsschule werden will gegenüber heftigen Widerständen sowohl von Seiten der damaligen CDU-Regierung in Wiesbaden und auch Teile der Stadtgesellschaft, die eine Ganztagsschule nicht wünschte.

00:06:05: Aber wir hatten eine Mehrheit mit Unterstützung einer sehr engagierten Elternschaft, die diesen Prozess deutlich mitgefordert hat und letztendlich der Antrag durchgingen.

00:06:19: Und die Stadt Wiesbaden hatte uns aufgrund dieses Antrages, der dann auch im Kultusministerium Gehörfand mit der Schulsozialarbeit unterstützt, weil zumindest am Anfang wir keine zusätzlichen Lehrerstellen für die Ganztagsschule bekommen hatten.

00:06:38: Sondern diese Lehrerstellen kamen erst paar Jahre später.

00:06:41: Deswegen waren wir meiner Meinung nach die erste Schule, die überhaupt die Schulsozialerbeit in Wiesbaden erhalten hat.

00:06:49: Eine IGS wurden wir erst in den Jahren später, nachdem die Schülerzahlen entsprechend wieder hoch gingen und Pro Jahrgang ca.

00:06:59: hundert Schüler wieder hatten, machte es Sinn daraus auch eine Gesamtschule zu machen und es gab dann einer Arbeitsgruppe an der Hermann-Elas Schule die diese Gesamthschule inhaltlich vorbereitet hat und wir sind dann anschließend auch integrierte Gesamthschule

00:07:15: geworden.".

00:07:16: Gido warum war es euch so wichtig aus der Herman Elas Schule eine integriere Gesamtschule zum Machen?

00:07:22: Naja, vor allen Dingen wollten wir eine Schule für alle Kinder Wiesbaden sein und nicht nur aus bestimmten Bezirken.

00:07:30: als Gesamt-, als Ganztagsschule waren wir ja offen für alle Schüler aus Wiesbaden.

00:07:35: Und das betrifft natürlich auch Schüler die Ereignung für das Gymnasium hatten oder dann eben später den Übergang in die gymnasiale Oberstufe durchführen wollten.

00:07:49: Also wir wollten alle Schulformen in der integrierten Gesamtschule dort vereinigen.

00:07:56: und was wolltet ihr mit diesem Schulkonzept eigentlich erreichen?

00:08:00: Ja, wir wollten natürlich mit der Ganztagsschule auch Kinder fördern, die aus sozial schwierigen Verhältnissen kommen um den ebenfalls einen guten Schulabschluss zu ermöglichen.

00:08:14: Und das ist uns auch in großen Teilen gelungen, dass wir entgegen der Empfehlung der Rundschule oftmals Schüler hatten die ein Übergang sogar dann an die Fachhochschule oder ans Gymnasium geschafft haben.

00:08:28: Und das hat natürlich auch was mit der Gesamtschule zu tun, aber in Verbindung mit der Ganztagsschule war das ein besonders förderlicher Weg um Schüler aus schwierigen Verhältnissen ebenfalls zu guten Schulabschlüssen zu kommen.

00:08:42: Gido welche Erfahrungen hast du denn eigentlich selbst als Schüler

00:08:46: gemacht?

00:08:47: Also ich habe selbst als Schüler eigentlich keine positiven Erfahrungen gemacht.

00:08:54: Ich war auch kein besonders guter Schüler, sondern hatte immer mit Versetzungsproblemen zu kämpfen.

00:08:59: Die ich aber dann trotzdem irgendwie geschafft habe.

00:09:02: Das heißt mit der Vorstellung Lehrer zu werden war eben verbunden Schule zu verändern und nicht so zu lassen wie sie war.

00:09:10: Und welche Rolle spielte dabei die Friedrich-Ebertschule?

00:09:13: Die Friedrich Ebertschuhe hat mir gezeigt dass das offensichtlich möglich ist wenn man eine Schule ja anders gestaltet, wenn man den Druck des Vormittags rausnimmt sondern Unterricht auf vor- und nachmittag verteilt.

00:09:29: Wenn man Freizeitangebote die es ja an der normalen Halbtagsschule in der Regel gar nicht gab dort ebenfalls zur Verfügung stellt Und wenn auch die Lehrer überwiegend am Nachmittag da sind, miteinander kooperieren, miteinander sich austauschen, miteinander den Unterricht für die nächsten Tage vorbereiten.

00:09:51: Das hat mich dazu motiviert dann letztlich doch Lehrer zu werden und ich hatte das Glück dass in Wiesbaden War ja keine Ganztagsschule bis dahin, aber dass eine Hermann Ehlers Schule durch ihre prekäre Lage und ihre schwierige Situation die Möglichkeit bestand tatsächlich die erste Wiesbadener Ganztagsschule zu errichten.

00:10:13: Gido dann gehst du in den Ruhestand und statt das Thema irgendwann abzuhagen fängst Du an darüber eine Doktorarbeit zu schreiben.

00:10:20: Warum wolltest Du es noch einmal ganz genau wissen?

00:10:24: Also bei meiner Verabschiedung in den Ruhestand musste ich den Kollegen gegenüber versprechen, dass ich mich künftig nur noch um meinen Garten kümmern werde.

00:10:34: Das ist mir leider nicht gelungen!

00:10:38: Ich war ja noch Landesvorsitzender des Hessischen Ganztagsschulverbandes und habe als Landesvoresitzender gemeinsam mit meinen Kollegen im Vorstand jedes Jahr einen Ganztagskongress in Hessen ausgerichtet.

00:10:56: Diese Kongresse waren teilweise mit dreihundert und vierhundert Kollegen, die diese Kongresse besucht haben, waren sehr beliebt und das Thema Ganztagsschule hat mich weiterhin beschäftigt.

00:11:10: Ich war der Meinung wer nach vorne blickt muss auch mal in den Rückspiegel gucken.

00:11:16: Deswegen hat mich immer die Frage interessiert Warum haben wir in Deutschland diesen Sonderweg Halbtagsschule?

00:11:27: Obwohl in allen anderen Staaten um uns herum, außer deutschsprachige Schweiz und Österreich die Ganztagsschuhe die Regel ist.

00:11:37: Egal ob ich nach Holland gehe oder nach Schweden und nach Polen oder in sonstigen Länder und Frankreich Die Ganztagsschule ist dort der Normalfall.

00:11:47: Wie ist es also dazu gekommen, dass wir in Deutschland eine Halbtagsschule haben?

00:11:55: Weil die Halbtagsschuhe schon immer?

00:11:57: dieser Frage wollte ich nachgehen und habe dann angefangen zu forschen.

00:12:05: Ich habe mir Stundenpläne von Schulen in Aschiven herausgesucht aus dem

00:12:12: XVI.,

00:12:12: XV, XVIII.

00:12:14: Jahrhundert und dabei festgestellt das Schule zumindest an Lateinschulen also an Schulen die zur Vorbereitung auch des religiösen und kirchlichen Nachwuchses dort installiert waren dass dort die Schulen immer ganztägig organisiert waren Und zwar In der Regel mit drei Stunden Unterricht Am Vormittag, dann sind die Kinder nach Hause gegangen zum Mittagessen und am Nachmittag ebenfalls drei Stunden Unterricht.

00:12:47: Nur mittwoch-Nachmittag und samsternnachmittags war unterrichtsfrei.

00:12:51: allerdings hatten die Kinder dort nicht Freizeit wie wir heute vermuten würden sondern die hatten an diesen Tagen in der Regel kirchliche Dienste zu verrichten oder mussten auf Beerdigungen gehen.

00:13:04: Also sie waren nicht völlig Ei, aber es war unterrichtsfrei an diesen zwei Nachmittagen.

00:13:09: Glaubst du bei deinen Forschung etwas das dich besonders überrascht hat?

00:13:13: Überrascht hatte mich dass offensichtlich bereits vor fünfhundert Jahren die Lehrer und auch die Schulbehörde oder die Menschen was von Rhythmisierung verstanden haben Denn der Unterricht war rhythmisiert, indem man ihn verteilt hat auf Vor- und Nachmittag.

00:13:32: Man hätte ja auch in einem Rutsch lernen können.

00:13:36: Aber im neunzehnten Jahrhundert hat der Psychiater Kraft von Ebing mal gesagt oder mal geschrieben Kein Mensch kann länger als drei Stunden lernen Dann braucht er eine Pause, eine längere Pause um dann anschließend neue Kraft zu gewinnen.

00:13:54: Und diese Erkenntnis müssen wir uns heute wieder zur Eigen machen.

00:13:58: Der Unterricht kann nicht ununterbrochen hintereinander laufen.

00:14:01: Ich selbst habe als Schüler, da ich Latein durch meinen Vater verpflichtend noch nehmen musste, teilweise sieben Unterrichtsstunden am Vormittag gehabt.

00:14:11: Da habe ich doch in der letzten Stunde nicht mehr an Schule gedacht sondern näher an meine Freundinnen oder sonst was aber es ging auch nichts mehr rein.

00:14:19: das war einfach fatal!

00:14:21: Der zusammengedrängte Unterricht ist schädlich und der zusammengedrängten Unterricht hat meiner Meinung nach auch mit damit zu tun dass wir heute so schlechte Schülerleistungen haben.

00:14:35: Hat diese wissenschaftliche Beschäftigung deinen Blick auf die Ganztagsschule eigentlich noch einmal verändert?

00:14:41: Ja, auf jeden Fall.

00:14:43: Die wissenschaftlichen Beschäftigungen hat mir gezeigt dass der Weg in die Halbtagsschule eine bildungspolitische und pädagogische Fehlentwicklung in der deutschen Schulgeschichte ist.

00:14:55: Da stellt sich natürlich die Frage wie kam es zu dieser Halbtagsschuhe?

00:15:16: Ich habe herausgefunden Dass die erste Schule, die den Schritt in die Halbtagsschule gemacht habe ein Gymnasium In Hamburg war das Johannäum.

00:15:28: Ein traditionsreiches Gymnasiums.

00:15:31: was passiert?

00:15:33: Eltern des gymnasiums Haben sich beschwert dass ihre kinder teilweise sehr sehr weite schulwege haben.

00:15:43: es gab ja damals noch keine transportmittel um die Schüler aus äußeren bezirken zur Schule zu fahren.

00:15:51: Und es gab eine Elterninitiative, würde man heute sagen die gefordert hat Man soll doch diese Mittagspause weglassen damit die Kinder nicht zweimal diesen Weitenweg hin und zurück zurücklegen müssen.

00:16:09: Das wurde von der Schule anfangs aus pädagogischen Gründen abgelehnt.

00:16:14: Es ist interessant zu wissen aber der Druck der Eltern wurde immer größer.

00:16:18: Hinzu kam dass in Hamburg eine Besonderheit bestand, die Hauptmahlzeit in den höheren Schichten und nur die Kinder der höheren schichten besuchten ja ein Gymnasium nahmen das die Hauptmalzeit gegen sechzehn Uhr am Nachmittag ein.

00:16:37: Aber die Kinder hatten bis dahin bis sehzehn uhr unterrichten konnten daher nicht rechtzeitig zum Mittagessen in der Familie sein.

00:16:44: deswegen auch die Forderung.

00:16:45: durch den Wegfall Der Mittagspause konnte der Unterricht dann schon um fünfzehn Uhr schließen und die Kinder hätten dann rechtzeitig zu Hause sein können.

00:16:55: Nach mehreren Anläufen bestimmte letztlich die Schulbehörde, dann auch mit Zustimmung des Kollegiums dass man einen Versuch starten möchte, um die Mittagspause wegfallen zu lassen.

00:17:08: Und tatsächlich das war der erste Schritt in die Halbtagsschule denn Dieser Schritt hat sich dann vor allen Dingen in Berlin ganz schnell rumgesprochen.

00:17:19: Und dort meinten plötzlich auch die Schulleiter, unsere Kinder haben auch weite Schulwege, die sie zweimal zurücklegen müssen und besonders im Sommer wenn es sehr heiß ist, ist das sehr beschwerlich und ob man nicht wenigstens im Sommer den Unterricht zusammenlegen kann.

00:17:37: Dort war ja die Notwendigkeit mit sechzehn Uhr Hauptmahlzeit einnehmen nicht vorhanden.

00:17:44: Dort wurde die Hauptmahlzeit immer noch zwischen zwölf und dreizehn Uhr eingenommen.

00:17:49: Man sieht damit, dass Mittagessen sehr viel mit der Entwicklung der Ganztagsschule zu tun hat und auch mit der Entwicklung der Halbtagsschulen.

00:17:57: Das Ministerium in Berlin sträubte sich erst dagegen – das bräusische Ministerium war nicht unbedingt begeistert davon weil sie auch befürchtete, dass die Zusammenlegung des Unterrichts auf den Vormittag sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer eine zu große Belastung darstellt und darunter auch die Unterrichtskwalität dann leiden würde.

00:18:18: Aber sie gab schließlich nach und mehrere Schulen in Berlin schafften erst mal der Nachmittagsunterricht im Sommermonaten ab.

00:18:28: Im Winter verblieb man weiterhin bei dem geteilten Unterricht wie man damals sprach.

00:18:34: Das betraf aber jetzt nur die Gymnasien.

00:18:36: Die Volksschulen noch nicht, die kamen erst viel später.

00:18:39: Dann forderten aber immer mehr Schulen auch außerhalb Berlins in den großen Städten, dass sie ebenfalls diesen Weg gehen wollten und sehr zögernd gab das Ministerium, das Bildungsministerium in Preußen dem Wunsch nach.

00:18:56: Einige Schulen gingen auch diesen Weg, aber gingen wieder zurück zur Ganztagsschule Weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben und gemerkt haben, dass die Schüler und Lehrer offensichtlich überfordert waren wenn sie am Vormittag ihren gesamten Unterricht abdecken sollten.

00:19:13: Es kam in Preußen vorerst nur in Preussen immer mehr Schulen, die den Antrag stellten Und es gab eine heftige Diskussion in Preußen über das Für-und-Wieder des sogenannten ungeteilten Unterrichts, also die Zusammenlegung das Unterricht auf den Vormitter aus dem dann der Begriff Halbtagsschule wurde.

00:19:37: Besonders Schulleiter waren der Meinung man sollte bei dem System verbleiben wahrscheinlich weil sie so und so nachmittags in der Schule waren.

00:19:48: Insofern hatten Sie keine großen Vorteile davon.

00:19:51: Aber die Kollegen Nicht alle Kollegen, aber viele Kollegen in den Schulen, in Preußen schlossen sich der Ansicht an.

00:20:00: Der Druck auf das Ministerium wurde dann immer größer und dann kam hinzu dass der Deutsche Kaiser Wilhelm II.

00:20:14: in der Schulkonferenz auf einer Reichsschulkonferenz in Berlin die Nachmittagsunterricht als problematisch angesehen hat.

00:20:27: Er forderte eine kräftige Generation, erforderte Kriegsübungen am Nachmittag und dazu sollte kein Unterricht stattfinden.

00:20:39: das führte letztlich dazu dass viele Schulleiter auch umkippen.

00:20:44: sie wollten ja Gehorser Medina ihrer Majestät sein und dann ebenfalls bereit waren die Schule in einer Halbtagsschule umzuwandeln.

00:20:53: Das Problem war nur noch, bis dahin war Unterricht in der Regel fünf Minuten Pause dazwischen also quasi im Sechzig-Minuten-Rhythmus organisiert und in dieser Organisationsform war es nicht möglich alle Unterrichtsstunden in den Vormittag einzuzwingen.

00:21:12: das wäre dann bis zwei oder halb drei gegangen Aber das Mittagessen sollte ja um Zwischen zwölf und eins stattfinden oder zwischen Eins und Zweien dieser Zeit.

00:21:22: Deswegen kam dann die Forderung auf, man soll die Unterrichtsstunde kürzen.

00:21:26: Und Ninzehundertelf wurde in Preußen für alle Gymnasien Preußens Die Unterrichtsstunde auf forty-fünf Minuten gekürzt damit der gesamte Unterricht in den Vormittag gelegt werden konnte.

00:21:40: Was ist mit den anderen Schulformen?

00:21:42: Also für die Volksschule gab es vorerst keine Änderung.

00:21:48: Nur in Berlin, aber auch wieder in Hamburg wurde der Druck auch dort der Volksschullehrer immer größer auch an Volksschulen die Halbtagsschule einzuführen weil man nicht eingesehen hat dass die Gymnasiasten mit das nach Hause gingen während die Volks Schüler noch nachmittags bis um vier Uhr Unterricht hatten.

00:22:10: Das war zumindest in den Städten ein Grund.

00:22:13: In Hamburg wurde dann ebenfalls verfügt, die Halbtagsschule den ungeteilten Unterricht einzuführen.

00:22:21: Interessanterweise entgegen dem Votum der Eltern.

00:22:26: Es gab vorher eine Befragung und eine Mehrheit für die Beibehaltung des geteilten unterrichts also der Ganztagsschule.

00:22:33: aber die Hamburger Behörde hat auch die Halptagsschuhe eingeführt nur kurz da drauf, dann ebenfalls in Berlin und in Königsberg.

00:22:42: Das waren die drei Städten, die die Volksschulen zuerst eingeführt haben.

00:22:47: In Hessen zum Beispiel verbliebte die Ganztagsschule an Volksschulern noch bis Ende des Ersten Weltkrieges, obwohl noch viele bis zum Ende des Zweiten Weltkriges als Ganztagsschule arbeiten.

00:23:08: Nach dem Ersten Weltkrieg war die Schulen notgroß.

00:23:12: Viele Schulen waren besetzt, viele Schulen in vielen Schulen waren Soldaten untergebracht und Schulen mussten zusammengedickt werden.

00:23:22: Das konnte dann nur ein verformendes Schichtunterricht durchgeführt werden Die eine Schule am Vormittag, die andere am Nachmittag.

00:23:29: Und das beschleunigte den Prozess auch der Halbjax-Schule in Preußen In Hessen.

00:23:37: Und in nineteenhundertundzwanzig gab es dann eine Verfügung des Preußischen Ministeriums, des preußischen Bildungsministeriums.

00:23:50: Wonach auch Volksschulen den Antrag auf Halbtagsschule stellen konnten.

00:23:56: und in den Städten haben dann auch viele Schulen diesen Antrag gestellt – auf dem Land weniger!

00:24:02: Die Bayern sind erstmal bei ihrer Ganztagsschool Konzeption geblieben.

00:24:09: Erst nach dem Ersten Weltkrieg begann man aufgrund der Not, bayerische Soldaten sind zurückgekehrt, mussten untergebracht werden teilweise in Schulen dann in den großen Städten auch teilweise zur Halbtagsschule übergegangen.

00:24:25: aber in Bayern war das ein ganz langer Prozess und erst Nationalsozialisten, wonach an allen Schulen in Deutschland an Gymnasien der Nachmittagsunterricht abzuschaffen ist.

00:24:46: Das heißt also auch die Bayern mussten ihren Nachmittagsunterricht einstellen.

00:24:50: Es war klar, die Nazis wollten die Kinder am Nachmittagen unter Kontrolle haben.

00:24:56: Offensichtlich trauten sie den Schulen nicht so ganz ... Insofern war ihnen lieber dass sie nachmittags in ihren Organisationen verhaken.

00:25:05: Im Volksschulbereich sah das noch ein bisschen anders aus, dort war der Druck nicht so groß und in Bayern zum Beispiel gab es die traditionelle Ganztagsschule bis in den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts und wurde in Bayern unten Baden-Württemberg bis zum Ersten Weltkrieg ein Königreich gewesen, Bayern ebenfalls.

00:25:29: Und dort hat sich die Ganztagsschule noch lange gehalten und vor allen Dingen an Volksschulen wurde in Bajan erst nineteen Hundertfünfundsechzig auf dem Land ja wohl gemerkt, auf dem land die Ganzagsschule abgeschafft.

00:25:56: Gidro, wie ging es denn nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Halbtags- und der Ganztagsschule eigentlich weiter?

00:26:02: Ja.

00:26:04: Nachdem der Schulbetrieb wieder aufgenommen wurde, begann man grundsätzlich mit der halbtagsschule.

00:26:14: Viele Schulen mussten ihre Schulen mit einer anderen Schule teilen.

00:26:20: Es gab Schichtunterricht eine Schule am Vormittag, die andere im Nachmittag und dann im Wechsel.

00:26:27: So dass jeder mal davon betroffen war und an Ganztagsschule erst einmal zu bedenken waren.

00:26:34: Es gab es die Situation das viele Väter nicht zurück kamen, viele allein erziehende Mütter blieben übrig, blieben nach dem Krieg übrig Und die Not war groß was die Betreuung der Kinder anbetrifft.

00:26:48: hinzukam dass die ins Exil getriebenen Reformpädagogen wieder nach Deutschland zurückkehrten und hier auch die Schulentwicklung versuchten mit zu beeinflussen.

00:27:03: In Frankfurt fanden sie ein offenes Ohr dafür, Minna Specht vor allen Dingen, die Reformpädagogin, die mit dazu beigetragen hat das in Frankfurt die erste Ganztagsschule mit dem Namen Tagesheimschule eröffnet wurde.

00:27:24: Tagessheimschulen, damit wollte man sich wohl bewusst abgrenzen von der traditionellen Ganztagsschule die inhaltlich nur den Pflichtunterricht kannte sondern die TagesheimSchule sollte auch ein Mittagessen anbieten.

00:27:42: das war jetzt erstmal ziemlich neu und sollte auch sozialpädagogische freizeitorientierte Angebote im Tagesablauf enthalten.

00:27:55: Es gab durchaus Bestrebungen, ganztagsschulähnliche Konzepte in Deutschland wieder umzusetzen aber es gab auch heftigen Widerstand dagegen.

00:28:08: Vor allen Dingen die katholische Kirche hat massiv gegen die Entwicklung zur Ganztagsschule polemisiert.

00:28:17: Ihr war nicht offensichtlich daran gelegen, obwohl interessanterweise die katholische Kirche zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zu den Befürfordern der Beibehaltung der Ganztagsschule war.

00:28:32: Wahrscheinlich hat sich deshalb auch die Ganztagsschule in Bayern so lange gehalten.

00:28:37: Sie befürchtete aber jetzt offensichtlich, dass sie am Nachmittag kaum noch Einfluss auf die Kinder hat und der Einfluß damit auch verloren geht.

00:28:44: Deswegen war da ein heftiger Widerstand.

00:28:46: Aber nicht nur die katholische Kirche sondern auch die konservativen Parteien haben Die Ganztagsschule als einen Eingriff in das Familienleben gesehen Und wollten die Ganztagsschule nicht weiter diskutieren.

00:29:08: Damit blieb doch die Verantwortung für Kinder und Haushalt doch automatisch bei den Frauen hängen, oder?

00:29:14: Ja also das war das Frauenbild was man in den fünftiger Jahren hatte im konservativen Kreisen und letztendlich auch erst mal erfolgreich umgesetzt hat.

00:29:28: Mitte der sechziger Jahre gab es dann aber einen neuen Anlauf in Richtung Ganztagsschule sowie es auch einen Anlauf in Richtung Gesamtschule gab.

00:29:40: Deutschland fiel im Bildungsbereich immer stärker ab, der Anteil der Abiturienten war unglaublich gering Mitte der sechziger Jahre etwa um fünf Prozent.

00:29:50: heute haben wir fast Fünfzig Prozent also eine ganz andere Situation und da wurde der Ruf nach Gesamtschule und Ganztagsschule dann auch wieder lauter.

00:30:02: Aber auch da der Widerstand war groß, eigentlich nur Nordrhein-Westfalen hat damals ihre Gesamtschulen sofort in Ganztagsschulen eingerichtet.

00:30:16: Es war aber das einzige Bundesland jetzt was mir in dieser Frage noch vertraut

00:30:21: ist.".

00:30:30: Du hast gesagt, der Widersstand war gross!

00:30:32: Von wem ging denn dieser Widerstand überhaupt aus?

00:30:35: Es waren Parteien und Kirche, vor allem die katholischen Kirche.

00:30:40: Evangelische waren schon immer etwas offener gewesen aber die konservativen Parteien mit CDU und FDP vor allen Dingen die eine Entwicklung zur Ganztagsschule aber auch zur Gesamtschule nicht wünschten.

00:31:00: man hat immer verwiesen auf die DDR wo nach dort Angeblich der Staat die Kontrolle über die Kinder den gesamten Tag hat, aber in der DDR gab es gar keine Ganztagsschule.

00:31:16: Ulbricht wollte die Ganztagsschule in der DDR in den Jahren.

00:31:28: Es gab zwar das Hortsystem in der DDR, was sehr ausgeprägt war und auch den berufstätigen Müttern sehr geholfen hat.

00:31:36: Aber die Ganztagsschule hat sich in der DDR nie durchgesetzt!

00:31:40: Dann kommt das doch einer Ganztagsschule in Angebotsform ziemlich nah.

00:31:44: In die DDR waren ja auch viele Frauen berufstätig.

00:31:48: Man könnte es als Angebotsschule bezeichnen, aber es ist nicht identisch wenn alle Kinder besuchen.

00:31:55: Aber dort war trotzdem eine Trennung zwischen Schule und Hort.

00:31:59: Das war nicht identlich gewesen.

00:32:00: Es war ein anderer Ort in der Regel.

00:32:03: Und insofern kann man das nicht gleichsetzen mit einer Ganzlagsschulle.

00:32:11: Offene Ganztagsschule oder die Angebotsganztagsschule wurde übrigens auch Mitte der Sechziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts in Berlin diskutiert.

00:32:27: Dort hatte nachdem mehrere Schulen gewünscht haben, wir möchten den gesamten Unterricht auf dem Vormittag legen hat der zuständige Schulrat in Berlin gesagt, dann könnte man doch am Nachmittag an der Schule freiwillige Angebote für die Schüler machen im sportlichen Bereich vor allen Dingen.

00:32:51: Oder aber nie angenommen denn die Lehrer hätte ohne Bezahlung den Nachmittagen in der Schule verbleiben müssen und daran hatten sie wenig Interesse.

00:32:59: also die Lehrerschaft hatte schon früh ein großes Interesse.

00:33:07: Die Halbtagsschule bietet Ihnen die Möglichkeit, anderen Tätigkeiten am Nachmittag nachzugehen und noch weitere Verdienst.

00:33:15: Möglichkeiten zu finden.

00:33:17: Ich kann das für den Volksschulbereich sehr gut nachvollziehen, die Volksschulen wurden in Preußen im neunzehnten Jahrhundert schlechter bezahlt wie ein Briefträger.

00:33:26: also sie mussten in irgendeiner Form noch etwas Zusatz verdienen durch Nachhilfeunterricht oder sonstige Dinge damit sie mit ihrer Familie überhaupt über die Runden kamen.

00:33:37: Das galt aber nicht für die Gymnasiallehrer.

00:33:39: Die hatten in der Regel gerechte Bezahlung eben wie ein Richter, wie das auch heute noch der Fall ist.

00:33:47: Kommen wir nochmal zurück in die sechziger Jahre Gido.

00:33:49: Gibt es eigentlich Parallelen zwischen der damaligen Bildungsdiskussion und dem späteren PISA-Shock?

00:33:57: Ja also in den Sechzigern Jahren war man vor allen Dingen bemüht den Anteil der Schüler mit höheren Bildungsabschlüssen deutlich zu erhöhen.

00:34:12: Man hat ja die Vergleiche in anderen Ländern gehabt und gesehen, dass dort der Anteil der Abiturienten deutlich höher war wie in Deutschland.

00:34:22: Und man war bemüht, dort Maßnahmen zu finden, wie man diesen Anteil auch erhöhen kann.

00:34:28: Das führte dann auch zu einer Öffnung dass also auch mehr Kinder aus sozial benachteiligten Schichten zum Abitur kamen, eine weiterführende Schule besucht haben.

00:34:43: Auch Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund kamen zu höheren Schulabschlüssen obwohl hier natürlich im Sinne von Bildungsgerichtigkeit noch längst nicht alles erreicht hat wie wir ja aus den letzten PISA-Studien nochmal deutlich gesagt bekommen haben.

00:35:00: In den Sechziger Jahren gab es also noch erhebliche Widerstände gegen die Ganztagsschule.

00:35:05: Wie ging es denn dann in den Siebzigern und Achtzigerjahren weiter?

00:35:09: Also, es gab erst mal in den siebziger jahren keine weitere Entwicklung außer im Nordrhein-Westfalen wo alle Gesamtschulen als Ganztagsschulen arbeiteten.

00:35:22: auch in den Achtzieherjahren war das Interesse an Ganztragsschulen eher gering.

00:35:27: Auch die Gewerkschaft Die GEW hatte kein sehr großes Interesse an Ganztagsschule, weil auch die Mehrheit der Lehrerschaft nicht daran interessiert war am Nachmittag auch Unterricht zu erteilen.

00:35:44: Das Interesse bei Ganztagsschulen erst im Jahr two-thausend-eins durch schlechte Pisaergebnisse wieder neu entfacht worden.

00:35:56: Unter der damaligen Bundesbildungsministerin Buhlmann wurde ein Programm errichtet mit über drei Milliarden Euro damals, um die Ganztagsschule in baulicher Hinsicht weiter zu fördern und zu unterstützen.

00:36:13: Man hoffte sich jetzt von der Ganztagsschule eine Verbesserung im Hinblick auf die schlechten Pisa-Ergebnisse, die damals festgestellt wurden.

00:36:24: Es kamen dann auch zu vielen Ganztagsschulgründungen, aber in der Regel waren die Ganztagsschulen überwiegend als Angebotsschulen konzipiert.

00:36:35: Es gab nur wenige gebundene rhythmisierte Ganztaksschulen – in Deutschland und Hessen so und so.

00:36:46: Man spricht heute von Schätzungen, etwa zehn Prozent sind gebundene Ganztagsschulen und neunzig Prozent sind offener Angebots Ganztagsschulen.

00:36:56: Die nach meiner Meinung keine Ganztaksschule sind.

00:37:00: Sie haben keinen historischen Rückbau.

00:37:05: Sie können in der Regel wenn sie ihren Auftrag ernst nehmen, kaum rhythmisieren.

00:37:15: Sie müssen nach wie vor den gesamten Unterricht, den Pflichtunterricht auf dem Vormittag legen damit die Schüler nicht benachteiligt sind, die die Schule als Halbtagsschule nutzen.

00:37:27: Das ist ein großes Problem.

00:37:29: Einzelne Schulen weichen davon ab.

00:37:31: sie machen aus der Angebotsschule trotzdem ein gebundenes Modell Wie ich das auch von Wiesbaden gehört habe Die Rielschule Die am Vormittag nur vier Unterrichtsstunden anbietet, zwei Doppelstunden und vier Unterrichten.

00:37:47: Und damit ein Teil ihres Pflichtunterrichts natürlich auf den Nachmittag legen muss und damit den Unterricht entzerrt und damit tatsächlich dem notwendigen Rhythmisierungsanspruch auch gerecht

00:37:59: wird.".

00:38:00: Aber schreckt nicht viele Eltern eine gebundene Ganztagsschule eher ab?

00:38:04: Das IFO-Institut hat schon vor über zehn Jahren eine Befragung unter Eltern durchgeführt, die ihre Kinder an Grundschulen vor allem hatten.

00:38:15: Wie sie zu einem gebundenen Modell stehen würden was im Grundschulbereich zum Beispiel bis fünfzehn Uhr geht und da gab es eine Mehrheit der Eltern die dies gewünscht haben.

00:38:29: das heißt es gibt durchaus die Bereitschaft der Eltern das mitzutragen.

00:38:34: In der Grundschule, meine ich, muss nicht bis siebzehn Uhr Unterricht sein.

00:38:38: Wenn man ein Konzept hat bis fünfzehnt Uhr mit anschließender Betreuung kommunaler Betreuungen damit die Kinder deren Eltern beide berufstätig sind über einen längeren Zeitraum dann tatsächlich auch die Betreuungs- in der Schule finden das haben wir zum Beispiel.

00:38:55: diese Möglichkeit haben wir im Pakt für den Ganztag hier in Hessen Und das kann ich durchaus begrüßen, also es gibt durchaus eine Elternschaft die daran interessiert ist.

00:39:05: Man kann aber auch teilgebundene Modelle führen indem man sagt wir haben vier Klassen parallel pro Jahrgang und die Hälfte der Eltern haben für ihr Kind den Nachmittagsunterricht gewählt.

00:39:21: dann wählt man zwei Klassen, die gebunden laufen und zwei Klассen, die als Halbtagsschule laufen.

00:39:26: Dann hat man eine Trennung und kann in den beiden Ganztagsklassen tatsächlich auch rhythmisieren.

00:39:33: Und man kann auch feststellen wie ist der Lernerfolg der Kinder nach einigen Jahren?

00:39:39: Also es gibt einen Gymnasium in Offenbach Die haben gebundene Ganztagslassen in den Jahrgängen fünf und sechs.

00:39:49: mehr können sie nicht machen, weil sie kein Personal dafür bekommen.

00:39:53: Und die haben festgestellt, dass der Lernerfolg und der schulische Erfolg in den bergumundenen Klassen höher ist als in den Halbtagsschuhklassen.

00:40:07: Gido!

00:40:08: Wenn wir uns die Ganztagsschule heute anschauen... Was soll Sie eigentlich leisten?

00:40:14: Und wie gut gelingt ihr das bisher?

00:40:17: Also über den Ganztag wollen wir einfach mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen Aber wir wollen mehr fördern, aber auch mehr fordern.

00:40:30: Wir wollen leistungsstarke Schüler weiterfördern und auch leistungsschwache Schüler fördern – also beide Dinge abgrenzen und beide unterstützen.

00:40:42: Das ist trotz vieler sogenannte Ganztagsschulen in Deutschland bisher wie die PISA-Ergebnisse zeigen nicht gelungen!

00:40:52: Auch der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen wurde festgestellt, dass die Leistungen der Schüler gegenüber Halbtagsschüler nicht signifikant sich unterscheiden.

00:41:09: Das heißt also Lernerfolge in den Kernfächern Mathematik und Deutsch sind offensichtlich kaum feststellbar.

00:41:18: Gleichzeitig hat man aber festgestellt das auch an offenen Ganztagsschulen die Persönlichkeitsbildung unterstützt wird und zusätzliche Impulse enthält.

00:41:31: Ich habe an der Stiegstudie eigentlich immer kritisiert, dass sie nicht unterschieden hat zwischen offenen Ganztagschulen und gebundenen Ganztagschulen sondern alle in einen Topf geworfen hat und keine Unterschiede gemacht hat.

00:41:46: ich glaube wenn man hier mal nur gebundene Ganztagsschulen untersucht hätten, hätte man vielleicht auch andere Ergebnisse erzielt.

00:41:56: Aber das müssen vielleicht dann künftige Erforschungen ergeben inwieweit die gebundener Ganztagsschule in rhythmisierter Konzeption tatsächlich zu mehr Bildungserfolg führt als die offenen Modelle, die Angebotsmodelle, eine klare Trennung zwischen Unterricht und Nachmittagsangebot durchführen müssen.

00:42:19: Wir brauchen Schulen in der gebundenen Ganztagsschule, in denen Unterricht- und Breizeitangebote auf den Vor- und Nachmittag verteilt sind, indem es Erholungsphasen gibt und Lernphasen die sich gegenseitig abwechseln damit Schüler nicht überfordert sind und tatsächlich mit Spaß und Lust und Freude bei der Arbeit sind.

00:42:44: Gido, hat sich die pädagogische Qualität der Ganztagsschulen in den letzten Jahren eigentlich verbessert?

00:42:49: Was meinst du?

00:42:52: Also ich denke schon und da fällt mir wieder die Hermann Ehlers Schule ein.

00:42:57: Da war ja kürzlich zu lesen im Wiesbadener Kurier dass sie dort ein ganz tolles ökologisches Konzept am Nachmittag entwickelt hatten mit Gartenarbeit, mit der Pflege von Pflanzen, von Gemüsen usw.

00:43:16: unterstützt von den örtlichen Anbietern dort.

00:43:22: das sind ganz tolle Konzepte die auch die Schüler unterstützen und sicher in ihrer gesamten Persönlichkeitsbildung weiterbringen.

00:43:30: Aber wie ist denn sowas möglich?

00:43:32: Ja wir haben mehr Zeit und mehr Raum an der Ganztagsschule damit man solche Projekte auch tatsächlich erfolgreich durchführen kann.

00:43:43: Wenn der Nachmittag frei ist, kann ich sowas nicht in den Vormittag reinpressen.

00:43:46: Das gelingt in der Regel nicht.

00:43:49: Die Ganztagsschule bietet mehr Spielraum um innovative Projekte zu entwickeln.

00:43:55: Inwieweit die Schulen das nutzen, ist denen natürlich überlassen.

00:43:58: Das hängt vom Personal ab ob es dort sehr innovative Kräfte gibt, die bereits sind neue Konzepte in der Schule einzubringen und neue Konzepte der Schule dort umzusetzen.

00:44:10: Es hängt im großen Maße auch von der Schulleitung ab, vom Schulleiter und der Schuleiterin.

00:44:14: Dass sie solche Ideen, die dort im Kollegium wachsen, auch fördert und unterstützt und in die Realität umsetzt.

00:44:23: Und diese Möglichkeit besteht in der Ganztagsschule natürlich viel besser als in der Halbtagsschule wo der Unterricht zusammengedrängt ist.

00:44:32: auf dem Vormittag

00:44:38: Im deutschen Schulparometer, die Robert Bach Stiftung geht es ja auch darum wie wohl sie Schülerinnen und Schüler in der Schule fühlen.

00:44:46: Dabei spielt die Beziehung zu den Lehrkräften eine ganz wichtige Rolle und gerade im Ganztag haben wir noch mehr Möglichkeiten solche Beziehungen auch außerhalb des in Anführungszeichen normalen Unterrichts aufzubauen.

00:45:01: Wie siehst du das?

00:45:04: Also die Beziehungsarbeit ist Ganz, ganz wichtig für die kognitive Entwicklung der Kinder.

00:45:16: Die Beziehungsarbeit wird an der Halbtagsschule erschwert weil die Zeit dafür nicht da ist.

00:45:23: An der Ganztagsschule ist die Zeit.

00:45:25: deswegen ist es auch notwendig dass die Lehrer auch am Nachmittag in der Schule sind.

00:45:32: ich plädiere sogar dafür Die Anwesenheitspflicht der Lehrer verändern sollte und nicht das Stundenliputat als Grundlage für die Anwesenheit in der Schule nimmt, sondern so wie auch in der Industrie oder sonst was.

00:45:52: eine Anwiesenheitsverpflichtung von thirty-fünf Stunden sage ich mal.

00:45:58: In Anspruch verbleiben immer noch Stunden für häusliche Tätigkeiten aber so dass Lehrer gemeinsam am Nachmittag auch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

00:46:11: Es gibt Schulen, die das machen.

00:46:14: in Bremen gibt es Grundschulen.

00:46:16: dort haben sich die Lehrer und Lehrerin verpflichtet ein solches Zeitmodell was übrigens aus Schweden kommt da zu übernehmen.

00:46:24: Und auch in Wiesbaden gibt es eine Schule, die Plüscherschule, die dieses Konzept übernommen hat und sich ja damit erfolgreich arbeitet.

00:46:32: Und Beziehungsarbeit dadurch eben auch besser aufbauen kann.

00:46:36: Der Lehrer schaut nicht immer auf die Uhr – ist jetzt schon dreizehn Uhr!

00:46:38: Ich muss nach Hause um das Mittagessen für die Kinder zu machen, sondern er ist tatsächlich bis in dem Nachmittag in der Schule selbst als Ansprechpartner und Unterrichtender vorhanden.

00:46:48: Wir brauchen dazu natürlich auch entsprechende Lehrerarbeitsräume.

00:46:54: Wir brauchen auch für Lehrer dann Ruheräume, wo sie sich unter Umständen in der Mittagspause mal erholen können.

00:47:00: Auch mal die Augen zu machen können und dann anschließend wieder für die Schüler da zu sein.

00:47:10: Was macht für dich heute eigentlich eine wirklich gute Ganztagsschule aus?

00:47:16: Ja, Ganztagsschule beginnt am Vormittag.

00:47:20: Das heißt wir brauchen einen offenen Anfang Am Ende vielleicht auch ein offenes Ende.

00:47:27: Schüler müssen nicht alle zur gleichen Zeit kommen und Schüler müssen sich alle zur gleichen Zeit gehen, um das mal von den Rahmenbedingungen zu beschreiben.

00:47:36: Eine gute Ganztagsschule sollte möglichst nicht mehr als vier Unterrichtsstunden am Vormittag in Form vielleicht von zwei Doppelstunden halten und dann die Mittagspause gegen zwölf Uhr spätestens zwölfe vor dreißig beginnen.

00:47:54: Wenn Sie im Kultusministerium anrufen, um fünf vor zwölf erreichen sie niemand mehr.

00:48:00: Da sind alle beim Mittagessen und das sollte man den Schülern auch gönnen.

00:48:04: Das brauchen Sie.

00:48:05: wenn Sie vier Stunden hintereinander Unterricht hatten gearbeitet haben dann brauchen Sie auch eine längere Mittagspause die entsprechend auch dann ausgestaltet ist.

00:48:18: Sie brauchen ein gesundes Mittag Essen dass leider an vielen Schulen nach wie vor nicht umgesetzt wird und sie brauchen am Nachmittag Entspannungsangebote, Unterricht und vielleicht Wiederentspannung an Gebote bis dann der Tag auf vorbei geht.

00:48:38: Die Hausaufgaben sollten an Ganztagsschulen abgeschafft werden.

00:48:44: jedenfalls die traditionellen Lernzeiten kann man in den Vormittag einbinden, aber auch in dem Nachmittag.

00:48:53: Aber sie sind nicht das Gleiche wie Hausaufgaben sondern sie unterscheiden sich von Hausaufгaben wenn sie gut konzipiert sind.

00:49:00: also ich würde mir auch wünschen angesichts der Ergebnisse der letzten PISA Studie dass man vielleicht auch den Unterricht in Mathematik und in Deutsch durch eine zusätzliche Unterrichtsschlunde erweitert So wie das übrigens Hamburg gemacht hat, dort hat der damalige Schulleiter nachdem die Ergebnisse immer wieder schlecht waren bei PISA und die haben überwiegend Ganztagsschulen in Hamburg.

00:49:27: Dort erweitert durch eine zusätzliche Stunde und Hamburg steht heute ganz vorne im Ranking der PISA-Ergebnisse.

00:49:35: also Hamburg hat sich da sehr gut entwickelt.

00:49:40: Gido Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit?

00:49:43: In multiprofessionellen Teams wird das gelingen einer Ganztagsschule.

00:49:49: Also erfolgreich ist die Ganztagsschule nach meiner Auffassung nur dann, wenn es tatsächlich multi professionelle Teams gibt.

00:50:00: aber multiprofessionelle Teams müssen tatsächlich auch zusammenarbeiten.

00:50:05: das wiederum kann letztlich nur die gebundene Form umsetzen Wenn auch tatsächlich die Lehrer am Nachmittag anwesend sind und Nicht Lehrer sage ich mal, also Krankenschwester, Psychologe, Sozialarbeiter und anderes pädagogisches Personal.

00:50:25: Wenn die voneinander getrennt sind, dann lernt sie sich nicht gegenseitig kennen!

00:50:30: Und wenn Sie sich nicht gegenseitig kennenlernen, dann können sie auch nicht zusammenarbeiten.

00:50:35: Also Sie müssen ineinander greifen.

00:50:38: nur dann kann ein multiprofessionelles Team tatsächlich entstehen und erfolgreich arbeiten!

00:50:44: Das ist meiner Meinung nach der Schlüssel für eine erfolgreiche Ganztagsschule

00:50:49: Seit dem Schuljahr, im Jahr für die Ersklässler.

00:50:59: Was bedeutet dieser Schritt aus deiner Sicht für die Entwicklung der Ganztagsschule?

00:51:04: Also meiner Meinung nach ist dieser Schritt erstmal ein notwendiger Schritt und zweitens ein wichtiger Schritt denn er könnte tatsächlich des Endes des Halbtagsschulsystems in Deutschland werden.

00:51:24: Insofern messe ich diesen Gesetzentwurf auch große Bedeutung zu, viele Bundesländer haben versucht das noch zu verzögern.

00:51:34: Aber da muss man wirklich sagen, auch die Familienministerin Karin Briehn hat letztlich durchgesetzt dass der Rechtsanspruch tatsächlich ab ersten August im Jahr ist umgesetzt werden muss.

00:51:52: Natürlich reichen die Ressourcen nie aus das wissen wir auch aus anderen Zusammenhängen.

00:52:00: Aber eins steht auch fest, dass der Bund den Ländern und den Kommunen erhebliche Summen zur Verfügung gestellt hat um diesen Rechtsanspruch tatsächlich auch gerecht zu werden.

00:52:13: Wichtig ist noch mal zu plädieren das Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung geschrieben steht im Gesetz und nicht auf Ganzagsbetreuung so wie es in den Medien immer wieder steht – auch gestern im Wiesbadener Kurier konnte ich lesen Da ging es darum, wie wird der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Wiesbaden umgesetzt?

00:52:39: Das ist meiner Meinung nach sehr riskant eine solche Aussage.

00:52:44: Aber Gido für unsere Zuhörerinnen und Zuhöre was ist denn der Unterschied jetzt?

00:52:49: ich glaube eine Mutter oder ein Vater würde da jetzt sagen ja was ist den der Unterschied zwischen Betreuung und Förderung?

00:52:58: also Betreuungen heißt doch den Alltag stabilisieren, Sicherheit geben, beaufsichtigen.

00:53:08: Fokus liegt auf Bewahren, auf Begleiten versorgen also eher etwas Passives.

00:53:19: Dagegen Förderung bedeutet gezielte Weiterentwicklung Ausgleich von Defiziten oder Ausbau von Stärken.

00:53:30: Der Fokus liegt auf Bildung und auf Pädagogik Leistungssteigerungen und Kompetenzentwicklung.

00:53:38: Also es sind zwei verschiedene Sachen, und ich finde es sehr schade dass in den Medien immer wieder das Recht auf Ganztagsbetreuung angesprochen wird und nicht das recht auf Ganstagsförderung.

00:53:50: Das wird aber an vielen Schulen so verstanden weil es einfacher ist die Kinder nämlich jetzt zu betreuen statt zu fördern Weil für Förderung brauche Ich qualifiziertes Personal.

00:54:04: deswegen bin ich der Ansicht, dass es notwendig ist immer wieder darauf hinzuweisen damit man diesem Gesetz tatsächlich gerecht wird.

00:54:15: Denn das Gesetz sieht vor, dass auch mehr Bildungsgerechtigkeit über eine Förderung hergestellt wird.

00:54:23: so können wir das aus dem Gesetz entnehmen und das kann nicht nur wenn ich ausschließlich betreue.

00:54:30: Das wäre zu kurz gedacht und zu wenig organisiert.

00:54:35: Waren denn die Schulen und die Kommunen sowie die Träger eigentlich ausreichend darauf vorbereitet auf diesen Rechtsanspruch?

00:54:43: Also, der Rechtsanspruch ist gesetzesmäßig in den Jahr-Zw.A.

00:54:51: durch die Parlamente gegangen.

00:54:53: Jetzt sind wir fünf Jahre später und von daher hatten Nach meiner Auffassung, die Länder und auch die Kommunen ausreichend Zeit sich entsprechend vorzubereiten.

00:55:03: Aber auch die Schulen hatten ausreichende Zeit.

00:55:05: Sie wussten was auf sie zukommt Und viele Schulen haben sich aber nicht darauf vorbereitet.

00:55:13: Gido ist das was jetzt entsteht?

00:55:15: Eigentlich die Ganztagsschule für die du dich jahrzehntelang eingesetzt hast.

00:55:21: Es ist der Beginn einer Entwicklung Die meine Meinung nach den Weg zurück zur Ganztagsschule in gebundener Konzeption mit einem reformpedagogischen Konzept fördern wird und dazu führen wird.

00:55:40: Ich sage mal, wir kommen an der Ganztagsschule nicht vorbei wenn wir nicht weiterhin im Vergleich mit anderen Staaten, mit anderen Industriestaaten zurückfallen werden.

00:55:54: Mir fällt dann immer ein Jemand sagte mal, wir haben keine Rohstoffe.

00:56:00: Unser Rohstoff liegt zwischen den Ohren und die müssen wir fördern damit wir weiterhin ein Entwicklungsland, ein starkes Deutschland bleiben einen wirtschaftlicher Hinsicht auch starkes Deutschlands bleiben.

00:56:23: zum Schluss möchte ich einen Blick in die Zukunft werfen.

00:56:26: wie sollte die Ganztagsschule deiner Meinung nach in zehn Jahren

00:56:32: Also im Grundschulbereich sollte sich die gebundene Form der Ganztagsschule bis dahin durchgesetzt haben und im Sekundarschlufen-Bereich sollte schrittweise auch die Ganztagsschule zumindest beginnen mit Klasse fünf, dann Klasse sechs schrittweise auch eingerichtet werden.

00:56:54: Das wäre mein Ziel so wie ich das vorhin erklärt habe mit Schülerorientiertem Unterricht und wie ich das vorher schon deutlich gemacht habe.

00:57:08: Lieber Guido,

00:57:09: vielen Dank für dieses interessante Gespräch und deine große Expertise!

00:57:14: Gerade der Blick in die Geschichte hat noch einmal ausdrücklich verdeutlicht, wie lange uns das Thema Ganztag

00:57:21: eigentlich

00:57:22: beschäftigt?

00:57:23: Gerade der Blick in die Geschichte hat noch mal deutlich gemacht – wie lange es uns den ganzen Tag

00:57:28: beschäftigt?!

00:57:30: Du hast dich über Jahrzehnte für die Entwicklung der Ganztagsschule eingesetzt und dich auch wissenschaftlich intensiv mit Ihrer Geschichte auseinandergesetzt.

00:57:37: Für Dein Engagement hast du verschiedene Auszeichnungen, auch erhalten darunter – das Bundesverdienstkreuz.

00:57:46: Und ganz aktuell im September-Zeptemper-Sechzen-Zwanzig wurdest du zum Ehrenmitglied des Ganztagsschulverbands ernannt!

00:57:53: Ich denke man kann durchaus sagen dass die Ganztaxschule ein wichtiger Teil deines Lebenswerkes ist.

00:58:01: Vielen Dank für deine Einblicke, deinen Engagement und dafür dass du heute bei mir in meinem Podcast

00:58:07: warst!

00:58:08: Ich wünsche dir lieber Guido alles Gute!

00:58:26: Liebe Hörerinnen und Hörern ich bin mir sicher das euch dieser Blick in die Geschichte der Ganztagsschule an manchen Stellen genauso überrascht hat wie mich.

00:58:34: Das Gespräch mit Dr.

00:58:35: Guido Seelmann-Eggbert hat deutlich gemacht, dass die Entwicklung der Ganztagsschule immer auch von gesellschaftlichen

00:58:41: politischen

00:58:42: und kirchlichen Interessen geprägt war.

00:58:45: Es ging eben nicht nur darum wie Kinder am besten lernen sondern auch darum welche Vorstellungen von Familie Erziehung und Gesellschaft sich durchsetzen sollte.

00:58:56: Und wenn wir heute auf den neuen Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung schauen wird deutlich, wie wichtig es ist diese Geschichte zu kennen.

00:59:04: Denn vieles worüber wir heute diskutieren hat eine lange Vorgeschichte!

00:59:13: Ich hoffe dass euch die Folge einige neue Perspektiven eröffnet hat.

00:59:17: Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt schreibt mir gerne.

00:59:20: ich freue mich über eure Rückmeldung.

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